253.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 21. März 1916.
Infolge der letzthin in Aleppo, Marasch, Brussa, Adrianopel, Angora, Konia und anderen Orten wieder einsetzenden Armenierverfolgungen waren von verschiedenen Seiten, u. a. vom Pater Dr. Straubinger und Pater Liebl, Gesuche um Intervention bei der türkischen Regierung an mich gerichtet worden. Ich hatte daraufhin umgehend Schritte bei Halil Bey in dieser Angelegenheit unternommen und ihn insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß eine etwaige Austreibung der fast allein noch übrigen christlichen Frauen und Kinder bei der überdies erregten Stimmung in Deutschland den allerschlechtesten Eindruck machen würde. Halil Bey hatte mir versprochen, sofort beim Minister des Innern darauf hinzuwirken, daß etwaige geplante Schritte gegen die genannte armenische Bevölkerung eingestellt werden würden.
Bei meinem gestrigen Besuche auf der Hohen Pforte sagte mir nun der Minister des Auswärtigen, nach Rücksprache mit Talaat, die Regierung habe kürzlich auf Berichte der türkischen Lokalbehörden hin angeordnet, einige unruhige Elemente zu entfernen. Die Lokalbehörden aber hätten in übertriebenem Eifer den Befehl mißgedeutet und Anstalten getroffen, größere Abteilungen Armenier abzuschieben. Es sei nunmehr angeordnet worden, daß in Konia, Angora, Aleppo, Aintab und Marasch überhaupt keine Armenier mehr abgeschoben werden dürften.
Ich erwiderte dem Minister, daß ich mich über diese Mitteilung freue, da in Deutschland auf Grund von dorthin gelangten Nachrichten in weiten Kreisen die Beunruhigung über das Los der Armenier wieder stark zugenommen habe.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler.
254.
(Kaiserlich
Deutsches Konsulat.)