Metternich.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.
256.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 29. März 1916.
Im Anschluß an Bericht vom 27. März.
Auf Bitten des hiesigen American Bible House hatte ich den Kaiserlichen Konsul in Damaskus aufgefordert, sich über die Aussichten einer von dieser Anstalt geplanten größeren Hilfsunternehmung für die notleidenden Armenier in Damaskus zu äußern. Der Gedanke war, in Damaskus oder eventuell in Beirut eine Zentralstelle mit Depots einzurichten; die erforderlichen Geldmittel und das Hilfspersonal sollten von amerikanischer Seite zur Verfügung gestellt werden, dagegen wurde dringend gewünscht, eine deutsche Persönlichkeit mit der Leitung zu betrauen, und man hatte hierfür bereits den Pastor Kunze ins Auge gefaßt.
Herr Loytved meldet daraufhin folgendes:
„Vor etwa 3 Wochen hatte ich die Absicht, unter Leitung des in Damaskus wohnhaften deutschen Missionars Hanauer für die in Damaskus und Umgebung befindlichen Armenier ein Waisenhaus, eine Garküche und ein Bad einzurichten. Als ich Djemal Pascha hiervon in Kenntnis setze, sagte er mir vertraulich, daß er persönlich das Los der Armenier nach Möglichkeit erleichtern möchte, aber strenge Anweisung von Konstantinopel habe, jede deutsche und amerikanische Beteiligung an einer Hilfsunternehmung für Armenier zu verhindern, da der innere Widerstand der Armenier gegen die türkische Regierung nur gebrochen werden könne, wenn ihnen beigebracht würde, daß sie keinerlei Unterstützung von irgend einer fremden Regierung zu erwarten hätten. Auf meine Bitte, dann selbst etwas zu tun, gab er in meiner Gegenwart dem Bürgermeister von Damaskus Befehl, ein Haus zu mieten und darin Armenierwaisen aufzunehmen. Djemal Pascha erklärte sich bereit, Gelder für die Armenier durch mich entgegenzunehmen und durch türkische Beamte verteilen zu lassen, die auch mein Vertrauen genießen.“
Hierzu ist zu bemerken, daß die türkischen Behörden auch das armenische Patriarchat daran zu hindern suchen, den notleidenden Verbannten zu Hilfe zu kommen, so daß das Patriarchat genötigt ist, sich zu diesem Zwecke fremder Vermittelung zu bedienen. Es gewinnt somit den Anschein, als ob die Pforte jede Notstandshilfe, von welcher Seite sie auch kommen möge, ablehnt.