2. Von armenischer Seite ist bisher mit Rücksicht auf das Schicksal der türkischen Armenier, deren Führer sich als Geiseln in den Händen der türkischen Regierung befinden, von terroristischen Mitteln gegen die verantwortlichen Leiter der türkischen Politik Abstand genommen worden. Diese Rücksicht würde nach der Exekution fortfallen. Als Antwort auf die systematische Vernichtung der armenischen Nation könnte eine Ära der terroristischen Mittel einsetzen.

3. Die russischen Armenier waren vor dem Kriege der Einverleibung der von Rußland okkupierten armenischen Gebiete in Rußland abgeneigt und wünschten unter entsprechenden Sicherheiten für den Fortbestand ihrer Nation die Erhaltung der Souveränität des Sultans. Durch die Befreiung der armenischen Führer von der ihnen drohenden Exekution kann Deutschland die verlorenen Sympathien der türkischen Armenier zurückgewinnen und auch auf die russischen Armenier in der Richtung einwirken, daß sie bei der Neugestaltung der von den Russen okkupierten armenischen Gebiete das armenische Interesse vom russischen trennen.

4. Es sollte verhindert werden, daß sich die Sympathien von 3 Millionen Armeniern in Rußland, in der Türkei und im Auslande ausschließlich der Entente und Amerika zuwenden, und daß im armenischen Bewußtsein Deutschland für die verhängnisvolle innere Politik der Türkei verantwortlich gemacht wird.

Vorausgesetzt, daß der deutsche Botschafter in Konstantinopel in der Lage ist, die den armenischen Führern drohende Exekution zu verhindern, möchten wir bitten, daß in vertraulicher Weise der Vorstand der Deutsch-Armenischen Gesellschaft von dem Erfolg der Schritte des Botschafters in Kenntnis gesetzt wird, damit unsererseits das armenische Zentralkomitee in der Schweiz davon verständigt werden kann.

Der Vorstand der Deutsch-Armenischen Gesellschaft.
Dr. Johannes Lepsius.

An Seine Exzellenz Herrn Unterstaatssekretär
Zimmermann, Berlin, Auswärtiges Amt.

259.

Notiz.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 17. April 1916.