4. In welchem Umfang wären Mittel erforderlich?
5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?
Anlage 1.
Aleppo, den 12. April 1916.
Beantwortung der Fragen des Schweizerischen Hilfswerks 1915 für Armenien.
1. Frage: Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihren Wirkungskreisen?
Antwort:
Unser Wirkungskreis ist ein doppelter: Schwester Paula Schäfer übernahm die Bahnstrecke Osmanie-Islahije und die Ebene südlich von Marasch, wo sich überall kleinere und größere Lager versprengter, zurückgebliebener Armenier befinden. In Marasch selbst ist unter den dort zurückgebliebenen ca. 7000 Armeniern furchtbare Not. Unter Türken und Armeniern gleich bekannt, kann Schwester Paula an diesen Orten ziemlich ungehindert ihre Arbeit tun.
Dem Einfluß des Herrn Oberst von Kreß ist es gelungen, Ende Dezember Djemal Pascha zu veranlassen, der Unterzeichneten ein Waisenhaus mit ca. 400 Waisen zu übergeben; dadurch war die Möglichkeit geschaffen, in aller Stille Notstandsarbeit zu betreiben. Dieselbe hatte schon im Sommer begonnen und war, von dem deutschen und amerikanischen Konsul unterstützt, durch die evangelischen und gregorianischen Geistlichen weitergeführt worden. Der sich dabei durch besondere Treue und Hingabe auszeichnende Prediger Eskidjian ist vor wenigen Wochen am Flecktyphus gestorben. Im ganzen sind hier 1250 Waisen gesammelt, davon sind 400 bei Prediger Haron Schiradjian, 250 in der gregorianischen Kirche und 600 (früher 400) bei der Unterzeichneten. Anfangs beschaffte die Regierung die nötigen Lebensmittel, doch ließ der Eifer bald nach, seit etwa 5 Wochen bekommen wir noch Brot, und auch das geht zu Ende. Die Lebensmittel sind mehr als vierfach im Preise gestiegen, wir müssen bei der denkbar einfachsten Beköstigung 4 Piaster (80 Cts.) pro Kind täglich rechnen, brauchen demnächst allein für die Waisen in Aleppo 50 Pfund türkisch pro Tag. Außer diesen Kindern halten sich in Aleppo noch ca. 4000 deportierte Armenier als Flüchtlinge versteckt. Sie fliehen vor der Polizei von einem Haus, einem Viertel ins andere und fristen ein jammervolles Dasein. Sie werden unter der Hand von den Vorstehern ihrer Kirchen unterstützt.
Südlich und südöstlich von hier sind noch jetzt ca. 250000 Armenier zerstreut, von denen die meisten, nicht direkt, aber unter der Hand, mit Liebesgaben zu erreichen sind. In der Gegend von Hama, Damaskus, Ostjordanland, am Euphrat, warten viele auf Hilfe.