Auf ähnliche Zustände deutet die in Abschrift gehorsam hier beigefügte briefliche Nachricht des Diakons Künzler aus Urfa vom 22. Juli, wonach es ihm gelungen ist, 150 Waisenkinder zu unterstützen.
4. In Aleppo ist seit dem 12. Juli die Verschickung eingestellt, anscheinend weil ein Konflikt zwischen den oberen Behörden darüber ausgebrochen ist, daß es den reicheren Armeniern gelungen ist, Schonung zu erlangen, während die ärmeren der Polizei ausgeliefert waren. Aus Meskene ist es etwa 250 Armeniern gelungen, mit stillschweigender Duldung des dortigen Militärkaimakams, nach Aleppo zurückzuwandern, wo sie in erbarmungswürdigem Zustande ankamen. Der Wali hat infolgedessen Befehl an die Dörfer gegeben, keinen Armenier nach Aleppo zurückzulassen. Überträgt man die Ausführung behördlicher Anordnungen der Bevölkerung, so erklärt man die Armenier damit für vogelfrei. Weitere Maßregeln gegen sie werden hier vermutlich zu erwarten sein. Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn Dr. von Bethmann Hollweg.
Anlage.
(Notstandswerk Urfa.)
Urfa, den 22. Juli 1916.
Unter der Hand ist es mir gelungen, Dank der Hilfe aus der Schweiz, hier Überreste des armenischen Volkes, Waisenkinder, bereits 150 an der Zahl, zu unterstützen und sie so vom drohenden Hungertode zu retten. Es gibt noch mehr; allein für alle reichts nicht.
Jakob Künzler.