303.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 9. Oktober 1916.

In einem Leitartikel bespricht die hiesige türkische Zeitung „Taswiri Efkiar“ im Anschluß an das Euerer Exzellenz bekannte Exposé des Komitees „Einheit und Fortschritt“ die armenische Frage und gelangt zu dem Schluß, daß die anfänglich vom Komitee eingeschlagene Politik der Vereinigung und Verschmelzung der verschiedenen Bevölkerungselemente „Bankrott gemacht“ habe, und statt dessen die „Säuberung“ des Reiches von allen nichtmuhammedanischen, d. h. von den christlichen Elementen ins Auge gefaßt werden müsse. Der Artikel dürfte die Überzeugung der ultranationalistischen Kreise ziemlich getreu wiedergeben, zum Teil sind diese Gedanken bereits in die Tat umgesetzt worden durch die Austreibung der in den östlichen Grenzprovinzen ansässigen syrischen Christen und der Griechen in einzelnen Distrikten von Kleinasien und Rumelien. Ferner verlangt wohl der Verfasser auch noch die Aussiedlung der bisher von der Aussiedlung verschonten Armenier von Konstantinopel und Smyrna.

Radowitz.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

304.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 20. Oktober 1916.

Der türkische Reichsanzeiger (Takvimi-Vakaji) veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 1./14. d. M. ein provisorisches Gesetz, durch das den ausgesiedelten Personen in den ihnen angewiesenen Ortschaften zum Zweck ihrer Unterkunft und Niederlassung und um ihnen die Mittel zum Unterhalt zu gewähren, Wohnplätze und Ländereien aus der Kategorie der vakanten Evkaf-und Miriländereien unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Die Ministerien des Innern und der frommen Stiftungen sowie das Justiz- und Finanzministerium sind mit der Ausführung dieses Gesetzes betraut, das vom 22 Elul 1332 (5. Oktober d. J.) datiert und mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft tritt.