Der Beauftragte des amerikanischen Konsulats war der in früherer Berichterstattung bereits genannte Deutsche Bernau, der jetzt bei Rückkehr von seiner Reise die Nachricht vom Abbruch der Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland vorfand und infolgedessen seine Stellung am amerikanischen Konsulat niederlegt. — Über Sabkha hinaus nach Süden ist er diesmal nicht gekommen.
In Aleppo hat die Regierung am 13. d. M. auf Befehl Djemal Paschas aus den von der Schwester Beatrice Rohner geleiteten Waisenhäusern 70 Knaben genommen, um sie in ein Regierungswaisenhaus auf dem Libanon zu verbringen, wo sie mit Kindern muhammedanischer Flüchtlinge aus Ostanatolien zusammen erzogen werden sollen. Weitere derartige Verteilungen auf Regierungswaisenhäuser sind in Aussicht genommen. Die Armenier sollen auf diese Weise zu vaterlandsliebenden Osmanen und, wie die offene oder stillschweigende Voraussetzung ist, zu Muhammedanern gemacht werden. Es ist schwer, hierbei die Erinnerung an die Rekrutierung der Yanitscharen zu unterdrücken. Dem gegenwärtigen Versuch muß man wohl skeptisch gegenüberstehen. Die meisten armenischen Knaben werden weglaufen, diejenigen, welche in die Regierungswaisenhäuser kommen, werden dort vor die Frage gestellt werden, ob sie den Islam annehmen wollen. Lehnen sie ab, und versagen Zwangsmittel, so werden sie auf die Straße gejagt werden und verkommen. Nur die wenigsten werden dort heranwachsen. Der mit der Verteilung auf die Regierungswaisenhäuser beabsichtigte positive Zweck wird also nicht erreicht werden, nur wird die Zahl heranwachsender junger Armenier erneut erheblich vermindert sein.
Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Herrn Reichskanzler.
316.
Auswärtiges Amt.
Berlin, den 16. Februar 1917.
Der Vorsitzende der Orient- und Islamkommission des Deutschen Evangelischen Missionsausschusses, Missionsdirektor D. Karl Axenfeld, hat im Interesse wirksamerer Fürsorge für die deportierten Armenier gebeten, den anliegenden Fragebogen[140] von den zuständigen deutschen konsularischen Vertretern ausfüllen zu lassen.