8.

Kaiserlich
Deutsches Konsulat.

Trapezunt, den 30. Juli 1914.

Euerer Exzellenz beehre ich mich gehorsamst zu berichten, daß in Kurdistan ein neuer Aufstand ausgebrochen ist. Bei der Entfernung und den schlechten Verbindungen sind nicht alle Einzelheiten bekannt. Indessen scheint die Bewegung diesmal in größerem Umfang eingesetzt zu haben. Das Zentrum liegt in Bitlis und der Hochburg des Kurdentums, Dersim. Es verlautet, daß ein türkischer Oberst und einige Gendarmen von den Kurden gefangen genommen und gehängt worden sind. Auch sollen die Aufständischen die Armenier dahin verständigt haben, daß diejenigen, welche flüchtigen Kurden keine Unterkunft gewährten, getötet werden würden.

Während der kurdischen Unruhen im Frühling dieses Jahres hatten die Kurden den Armeniern ihr Leben und Eigentum garantiert. Wenn sie jetzt ihnen gegenüber eine abweichende Haltung einnehmen, so deutet das wohl darauf hin, daß der Zweck der Bewegung ein anderer ist. Früher schien es nur darauf abgesehen, der Türkischen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Diesmal beabsichtigt man vielleicht eine Intervention Rußlands zu veranlassen. Inwieweit der russische Rubel wieder die Bewegung entfacht hat, läßt sich von hier aus nicht ermitteln.

Vor einigen Tagen hat der hiesige russische Konsul sich plötzlich ins Innere begeben. Es verlautet, daß er die griechischen Klöster besucht. Der hiesige Metropolit ist ihm nach zwei Tagen gefolgt. Er wurde begleitet von einem Russen, der hier bereits eine Woche bei ihm wohnt und sich als Gelehrter ausgibt. Daß der russische Kollege in einem Zeitpunkt, wo die europäische Lage von hier aus sehr wenig geklärt erscheint, seinen für Rußland wichtigen Posten verläßt, um sich Tage weit in das Innere zu begeben, erscheint auffallend.

Dr. Bergfeld.

An Seine Exzellenz den Reichskanzler
Herrn Dr. von Bethmann Hollweg.