Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das an den Herrn Reichskanzler gerichtete gefällige Schreiben vom 27. v. M. zu erwidern, daß die Armenierfrage selbstverständlich bei Talaat Pascha während seiner Anwesenheit in Deutschland zur Sprache gebracht und unser Standpunkt dabei nachdrücklich dargelegt worden ist.
Wegen Euer Hochwohlgeboren Anregung, im Hinblick auf die Einstellung der amerikanischen Liebestätigkeit der deutschen Hilfeleistung, wenn möglich, einen weiteren Spielraum zu verschaffen, habe ich mich mit dem Kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel in Verbindung gesetzt.
Zimmermann.
An den Vorsitzenden der Orient- und Islamkommission des Deutschen Evangelischen Missionsausschusses, Herrn Missionsdirektor D. Karl Axenfeld, Hochwohlgeboren, Berlin.
338.
(Notstandswerk Urfa.)
Urfa, den 28. April 1917.
Gestern bin ich wohlbehalten von Rakka zurückgekehrt. Dort angekommen, erfuhr ich, daß die dortigen Emigranten kurz vor Ostern (armenische) 250 Ltq. Gold von Aleppo erhalten haben. Aber was bedeutet dies für die Übriggebliebenen! Jedes Glied erhielt 5 Piaster. Ich konnte auch nicht mehr geben. Also eine Verlängerung der Leiden bis zum Eintritt des sicheren Hungertodes um einige Tage! Wenn deren Gebundenheit an den Ort noch länger als zwei Monate anhält, so wird wenig mehr von ihnen übrig bleiben. Der Hunger wird sie alle hinraffen. Ich überlege mir, ob es nicht richtig wäre, in Zukunft, wenn wieder Mittel für die Unglücklichen anlangen, man nicht am besten täte, damit eine kleinere Anzahl zu beschenken, damit diese wenigen womöglich durchgebracht werden.
Ohne eine Summe von 3–5000 Ltq. wieder dorthin zu gehen, ist bei diesen niedrigen Notenkursen eigentlich fruchtlos, denn was sind 5 Goldpiaster (92,5 Pf.)! Allerdings ist vorauszusehen, daß bis in zwei Monaten viele am Hunger gestorben sein werden und daß dann vielleicht auch mit einer kleineren als der oben genannten Summe noch etwas zu erreichen wäre.