Euer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage eine Aufzeichnung des Diplomingenieurs Bünte über Beobachtungen gelegentlich, einer vom 1. bis 6. April am Chabur ausgeführten Reise. Es ist kein Zweifel, daß die dort in großen Mengen liegenden menschlichen Schädel und Gebeine von den Armeniermetzeleien des vorigen Juli und August herrühren, über die ich zuletzt am 5. September v. J. berichtet habe[145]. Die aus armenischer Quelle stammenden Erzählungen der Anlagen jenes Berichtes, welche als eine Stelle, bei der hauptsächlich die Metzeleien erfolgt seien, Schedadie (Kalat Scheddad) genannt hatten, finden dadurch ihre Bestätigung.

Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.

Rößler.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn Dr. von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Aleppo, den 11. Mai 1917.

Ich bin in der Zeit vom 1. bis 6. April zusammen mit Herrn Hauptmann Loeschebrand und Herrn Unteroffizier Langenegger von Buseir am Euphrat den Chabur hinaufgegangen und fand am linken Ufer große Mengen von ausgebleichten Menschenschädeln und Gerippen, zum Teil waren die Schädel mit Schußlöchern. An einigen Stellen fanden wir Scheiterhaufen, ebenfalls mit menschlichen Knochen und Schädeln. — Gegenüber der Kischla Scheddade waren die größten Anhäufungen. Die Bevölkerung sprach von 12000 Armeniern, die hier allein niedergemetzelt, erschossen oder ertränkt seien[146].

An dieser Stelle verließen wir den Fluß und fanden auf dem Wege zum Sindjar keine Spuren mehr.

Bünte,
Diplomingenieur, K. O. Oberleutnant.