Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 19. Mai 1917.

Wie der Kaiserliche Konsul in Aleppo meldet, ist die Schwester Beatrice Rohner, welche bisher die Hilfsaktion für die deportierten Armenier leitete, infolge Erkrankung nach Marasch zurückgereist und hat die Arbeit einer Kommission von Armeniern übergeben, die von Herrn Zollinger kontrolliert wird. Da die Genannte endgültig zurückgetreten ist, so werden die deutsch-armenische Gesellschaft und die Orient- und Islamkommission des deutschen Evangelischen Missionsausschusses gebeten, die von ihnen eventuell zu bewilligenden Hilfsgelder durch die Deutsche Orientbank an Herrn Zollinger in Aleppo zu überweisen.

Ich bitte gehorsamst, vorstehendes zur Kenntnis der beiden genannten Vereine bringen zu wollen.

Waldburg.

An das Auswärtige Amt, Berlin.

348.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 19. Mai 1917.

Das hiesige American Bible House, das bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei verwaltete und verteilte, hofft bestimmt, daß weder von amerikanischer noch auch von türkischer Seite der Fortführung des Liebeswerkes, das sich nicht nur auf die deportierten Armenier erstreckte, sondern auch anderen christlichen Bevölkerungselementen (Griechen, Syrer etc.) und den Muhammedanern zugute kam, keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. In dieser Beziehung wird darauf hingewiesen, daß die amerikanische Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in Belgien auch nach dem Bruche mit Deutschland unter neutraler Leitung ihren Fortgang nimmt, und daß die hiesigen türkischen Behörden und speziell Talaat Pascha sich der Tätigkeit des Bible House gegenüber bisher wohlwollend verhalten haben. Übrigens sind seitens des Bible House bereits Verhandlungen angeknüpft worden, um eventuell, d. h. sobald die amerikanische Regierung die Verwendung der Hilfsgelder nach der Türkei gestattet und sofern kein anderer Weg sich bietet, diese über Holland oder Schweden hierher zu leiten. Im Augenblick verfügt das Bible House noch über genügend Fonds für etwa zwei Monate und hat hiervon noch in den letzten Tagen u. a. einen größeren Betrag nach Aleppo überwiesen; bereits vorher hatte der dortige amerikanische Konsul Jackson bei seiner Abreise den Rest seiner Hilfsgelder an die Schwester Rohner abgegeben. Die Verwalter dieser Fonds (Mr. W. W. Peet, der inzwischen am 9. d. M. nach der Schweiz abgereist ist, und sein Nachfolger, Mr. Fowle) haben unter der Hand die Bitte ausgesprochen, daß die Kaiserliche Botschaft und die Kaiserlichen Konsulate in der Provinz ihnen in der bisherigen Weise die rein geschäftlichen Berichte der im Innern mit dem Hilfswerke betrauten Personen übermitteln möchten, und ich trage um so weniger Bedenken, dieser Bitte zu entsprechen, als es sich hauptsächlich um die Vermittelung der Korrespondenz mit Schweizer Staatsangehörigen, wie z. B. Schwester Rohner und Hr. Zollinger in Aleppo, handelt.