Auf Erlaß vom 25. Juni[147].
Auf Wunsch des Dr. David in Angora bin ich bereits im Monat Mai bei der Pforte in der Angelegenheit der katholischen Armenier vorstellig geworden.
Der Vertreter des Vereins vom heiligen Lande, Herr Dr. Schade, hat mir einen Auszug verschiedener Briefe Dr. Davids zur Verfügung gestellt; aus einem vom 13. Juni (also 10 Tage nach Abgang des Briefes an Herrn Erzberger) datierten Schreiben ist folgende Stelle zu entnehmen: „Vorige Woche kam mir eine telegraphische Weisung des Ministeriums zur Sicht, in der kategorisch dem hiesigen Wali untersagt wird, die Katholiken zu deportieren, selbst falls dafür Gründe vorlägen, und aufgegeben wird, weitere Weisungen abzuwarten. Ich denke, daß dies eine Wirkung der von der Botschaft unternommenen Schritte ist. Man beschränkt sich seither auf Maßnahmen gegen solche, die früher einmal zum Islam übergetreten waren, und scheint sich damit zufrieden zu geben, wenn sie sich im Gefängnis bereit erklären, in Zukunft türkische Tracht zu tragen.“
Aus weiteren Stellen der erwähnten Briefe geht hervor, daß in Angora unter den armenischen Katholiken große Beunruhigung besteht. Bei der nun einmal hier herrschenden Willkür ist es nicht ausgeschlossen, daß gewisse Übergriffe von Zeit zu Zeit erfolgen werden. Immerhin ist die Regierung zweifellos gewillt, ein schärferes Vorgehen gegen die armenischen Katholiken zu vermeiden. Dr. Schade erhält mich fortgesetzt auf dem Laufenden über die Verhältnisse in Angora. Ich werde nicht verfehlen, die Angelegenheit im Auge zu behalten und nötigenfalls die hiesige Regierung auf die Vorgänge in Angora aufmerksam zu machen.
v. Kühlmann.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.
356.
Deutsche Evangelische
Missionshilfe.
Berlin-Steglitz, den 14. Juli 1917.
An das Auswärtige Amt, Berlin.