März.

372.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 2. März 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Bei künftigen Friedensverhandlungen mit den Westmächten werden diese unzweifelhaft die Armenierfrage zur Sprache bringen und versuchen, möglichst weitgehende Autonomie ostanatolischer Wilajets durchzusetzen. Gegenüber solchen Versuchen wird Lage der Türkei günstiger sein, wenn sie schon vor Eintritt in Verhandlungen greifbare Beweise dafür gegeben hat, daß sie entschlossen ist, den christlichen ebenso wie den muhammedanischen Bewohnern dieser Provinzen eine gleichmäßige, milde und gerechte Behandlung angedeihen zu lassen und ihnen beim Wiederaufbau des durch die Kriegsereignisse Zerstörten behilflich zu sein.

Die Wiederbesetzung des Gebiets vollzieht sich unerwartet schnell. Nach den letzten Nachrichten ist mit baldiger Einnahme Erzerums zu rechnen. Sobald dies geschehen, dürfte die Zeit gekommen sein, um die Armenier, die noch die Waffen tragen, zu freiwilliger Unterwerfung aufzufordern und ihnen für diesen Fall Straflosigkeit und freie Rückkehr in ihre Wohnsitze zu gewähren. Abgesehen davon, daß auf diese Weise weitere vielleicht schwierige Kämpfe vermieden würden, kann nur so der Anfang dazu gemacht werden, dortige Armenier, die unentbehrliches wertvolles Bevölkerungselement dieser Provinzen darstellen, wieder zu loyalen Untertanen der Türkei zu erziehen. Weiter müßten die geplanten finanziellen Beihilfen zum Wiederaufbau der Dörfer und zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Wilajets gleichzeitig Christen und Muhammedanern zugute kommen. Auch würde sich empfehlen, die Rückführung der ins Innere des Reichs verbannten armenischen Bewohner in Aussicht zu nehmen.

Außerdem würde es die Stimmung weiter und einflußreicher Kreise günstig beeinflussen, wenn die türkische Regierung den deutschen Missionsanstalten, die früher unter Armeniern gewirkt haben, gestatten wollte, Vertreter an Ort und Stelle zu entsenden, um unter der Bevölkerung, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, Wohltätigkeit zu üben.