Telegramm.

Berlin, den 14. April 1918.

An Deutsche Botschaft, Pera.

Folgender Funkspruch ist aus Moskau hier eingegangen:

„Der armenische Nationalrat, als das oberste Organ der Willenskundgebung des armenischen Volkes, wendet sich an Sie aus Anlaß der entstandenen unerträglichen Lage. Armenien, das blutüberströmt kaum aus dem Zustande einer jahrhundertlangen Unterdrückung entrissen wurde, ist neuen Leiden unterworfen worden. Den Abzug der russischen Truppen ausnützend, ergossen sich die türkischen Truppen sofort über das wehrlose Land, indem sie nicht nur alle türkischen, sondern auch schon alle russischen Armenier der Ausrottung unterwarfen. Im Widerspruch mit den Friedensbedingungen, die das Selbstbestimmungsrecht aller kaukasischen Bezirke anerkennen, rückt das türkische Heer, das Land verwüstend und die christliche Bevölkerung vernichtend, gegen Kars und Ardahan vor. Die Verantwortung für das weitere Schicksal der Armenier trifft Deutschland, da auf sein Betreiben die russischen Truppen aus den armenischen Bezirken herausgezogen wurden. Jetzt hängt es von ihm ab, die türkischen Truppen von den gewohnten Exzessen, die auf dem Boden der Rache und Wut stehen, abzuhalten. Nur schwer kann man sich mit dem Gedanken aussöhnen, daß ein Kulturstaat wie Deutschland, der die Möglichkeit einer Einwirkung auf seinen Bundesgenossen, die Türkei, hat, es gestatten würde, daß der Friedensvertrag von Brest für das armenische Volk, das gegen seinen Willen in diesen Krieg hineingezogen wurde, zur Quelle zahlloser Leiden würde. Deshalb ist der Nationalrat des Glaubens, daß Sie die nötigen und nur Ihnen möglichen Maßnahmen gegen die türkischen Behörden zwecks Beschützung des armenischen Volkes vor neuen Schrecken treffen werden.

Als Bevollmächtigter des Nationalrates
Nikolai Adonz, Professor der Universität Petrograd,
Johannes Sawriew, vereidigter Rechtsanwalt.“

Bitte dortiger Regierung Mitteilung zu machen und auf das Bedenkliche des türkischen Vorgehens hinweisen.

v. d. Bussche.

383.

(Auswärtiges Amt.)