Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 30. Dezember 1914.

Der beifolgende Bericht über türkische Ausschreitungen gegen die armenische Bevölkerung in der Umgegend von Erzerum bestätigt die Mitteilungen, die mir hierüber vom Armenischen Patriarchen zugegangen waren, und hat mich veranlaßt, die Zustände auf der Hohen Pforte zur Sprache zu bringen und dringend zu raten, für die Abstellung solcher Vorkommnisse Sorge zu tragen. Allerdings meinte der Großwesir, daß diese Vorfälle nicht ganz ohne armenische Provokation entstanden seien; als Beleg hierfür führte er an, daß die Armenier in dem Kriege offen gegen die türkische Sache Partei nehmen, und erwähnte u. a., daß die bulgarischen Armenier Rußland eine Freiwilligentruppe zur Verfügung gestellt hätten[33].

Wangenheim.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Kaiserlich
Deutsches Konsulat.

Erzerum, den 5. Dezember 1914.

Die armenische Bevölkerung des Wilajets Erzerum, insbesondere die Landbevölkerung, ist durch einige Vorgänge sehr beunruhigt, die von ihr als Vorboten neuer Massakres aufgefaßt werden.

In dem Dorfe Osni der Erzerumer Hochebene haben am 1. d. Mts. drei türkische Freischärler (Irreguläre) einen bei den Armeniern sehr angesehenen Priester besucht, bei demselben gegessen und geschlafen und ihn am nächsten Morgen gezwungen, sie bis an das Ende des Dorfes zu begleiten, wo sie ihn durch Flintenschüsse töteten.