Pera, den 24. April 1915.
Ankunft, den 25. April 1915.
Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt.
Wie Konsulat Erzerum vom 22. drahtet, sind in Wan und Umgebung Armenierunruhen (vermutlich infolge russischer Umtriebe) ausgebrochen. Straßenkampf, Telegraphenlinien sind zerstört. Verbindung mit Persien unterbrochen. Ministerium des Innern hat Richtigkeit bestätigt, bittet aber um vorläufige Geheimhaltung.
Wangenheim.
30.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 24. April 1915.
Auf dem Ministerium des Innern wurde mir — mit der Bitte um vorläufige Geheimhaltung — die Richtigkeit der Meldung aus Erzerum betreffend Armenierunruhen in Wan bestätigt.
Die unliebsamen Vorfälle, wie Angriffe auf Gendarmen etc., hätten sich in der letzten Zeit stark vermehrt und eine schlimme Wendung voraussehen lassen. Zu bewaffneten Zusammenstößen sei es anfangs in den Orten Schatakh und Wostan südlich von Wan gekommen, dann sei in Wan selbst der Aufstand ausgebrochen. Die Armenier hätten auch mit Bomben gearbeitet, und die Gebäude der Dette Publique und der Post seien infolgedessen vernichtet.[47] Bei den Straßenkämpfen hätten die Truppen 20 Tote gehabt. Der Wali Djevdet Bey, der in Anbetracht der Gärung vor kurzem nach Wan zurückgekehrt war (er war vorher in Persien), gehe energisch vor und hoffe, bald Ruhe zu stiften.
Auf die Bemerkung, daß es vor allem darauf ankomme, die Disziplin unter den Truppen aufrecht zu erhalten, um Vorgängen vorzubeugen, die wie Christenmassakres aussehen könnten, meinte mein Gewährsmann ziemlich kleinlaut, daß die in Wan stehenden Truppen aus neu eingezogenen, nicht gut disziplinierten Leuten bestehen und daher Ausschreitungen vorkommen könnten.