Aber auch mit der älteren Kürzung B ist Wechssler noch nicht zufrieden, er postuliert endlich noch eine "vollständige Redaktion A", einen sechsteiligen Graal-Zyklus, den er, zum Unterschiede von dem Vulgat- oder pseudo-Map-Zyklus, den Robert-Zyklus nennt und der nach ihm aus folgenden Branchen zusammengesetzt war: 1. Estoire, 2. Merlin, 3. Suite du Merlin, 4. Lancelot, 5. und 6. was die portugiesische Hs. in Wien enthält, d. h. anstatt einer einzigen Version der Trilogie des pseudo-Robert de Borron nimmt Wechssler eine Aufeinanderfolge von dreien an, deren erste unmöglich, deren zweite weder richtig noch vollständig und deren dritte auf einer unbegründeten und unbegründbaren Hypothese beruht.

Was hat Wechssler veranlaßt zu glauben, daß der Lancelot je mit der Suite du Merlin und dem dritten Buche der Trilogie in einem Graal-Zyklus zusammen existierte?

In erster Linie, ohne Zweifel, die Hs. No. 112, deren Schreiber aus beiden und außerdem aus dem Tristan und dem Guiron Le Courtois abschrieb, ohne auch nur den Versuch zu machen, sein heterogenes Material in Zusammenhang zu bringen. Diese Hs. überschätzte Wechssler und ließ sich durch dieselbe irre führen. Einen anderen Grund gibt Wechssler selber an, denn er sagt: "Der Lancelot hat diesem Zyklus sicher angehört: __denn die Suite [du] Merlin ist, wie G. Paris bewiesen hat, als Vorgeschichte zu ihm geschrieben worden__ (Huth-Merlin, Einleitung XXXVII); und ebenso setzt ihn [d.h. den Lancelot H. O.S.] die Queste voraus".

Es bedarf keines Beweises, daß der pseudo-Robert de Borron den Lancelot gekannt hat, daß er aber die Suite de Merlin als Vorgeschichte zu demselben geschrieben hat, konnte weder G. Paris, noch kann es Wechssler beweisen, noch würde der Beweis irgend einem andern Gelehrten gelingen, das muß jedem klar werden, der sich die Mühe geben will, beide zu lesen.

Die Galahad-Queste und Mort Artus, die das dritte Buch der Trilogie des pseudo-Robert de Borron bilden, setzen, wenn man will, Bekanntschaft mit dem Lancelot voraus, aber sie bedingen seine Gegenwart nicht. Das einzige, was man erwarten dürfte, wäre ein Bericht über die Geburt Galahads und über Percevals Ankunft an Artus' Hofe usw., denn beide werden in der Queste eingeführt, ohne daß je vorher von ihnen die Rede war. Dagegen aber läßt sich einwenden, daß die Trilogie kein Graal-Zyklus nach dem Muster des Joseph-Perceval-Lancelot-Zyklus oder des Vulgat-Zyklus ist, und daß auch andere wichtige dramatis personae wie Lancelot, Tristan, Erec, Palamedes usw. auftreten, ohne daß vorher von ihrer Herkunft die Rede ist. Der einzige andere Grund für Wechssler's Handlungsweise, den ich finden kann, ist ein Auszug aus dem Lancelot und zwar in ungekürzter Form, enthaltend die Stücke, die in denselben eingefügt wurden, als die Galahad-Queste an Stelle des Perceval-Queste trat; dieser Auszug ist in sechs Tristan-Hss.[26] und in Sir Thomas Malory's Le Morte Darthur[27] zu finden, in die letztere ist derselbe durch Vermittlung einer Tristan-Hs. gekommen. Von diesem Auszuge werde ich weiter unten noch zu reden haben.

Ich komme schließlich zu meinem eigenen Beitrage zur Beantwortung der Frage nach der Gestalt der in der Huth-Hs. angedeuteten Trilogie des pseudo-Robert de Borron. Wie ich schon auf S. XIII Note 2 mitgeteilt habe, kenne ich nicht nur das ganze, von Wechssler herangezogene Material, sondern ich habe den größten Teil[28] desselben herausgegeben und bin im Begriff den Rest[29] (mit Ausnahme der spanischen und portugiesischen Texte) herauszugeben. Ferner verfüge ich über den vollständigen Text des dritten Buches der Trilogie, und endlich befinde ich mich Wechssler gegenüber dadurch im Vorteil, daß ich die spanischen Drucke von Toledo 1515 und Sevilla 1535 und die Hs. No. 643 der Staatsarchive in der Torre do Tombo zu Lissabon benutzen konnte, von denen er die ersteren gar nicht und die letztere nur von Hörensagen kannte.

Das Verhältnis der Suite du Merlin zu den spanischen, portugiesischen und französischen Texten habe ich in der Romania beschrieben und bin zu dem Resultat gekommen, daß alle, ohne Ausnahme, ebenso wie die in den Tristan-Hss. vorhandenen Bruchstücke Teile der Trilogie eines pseudo-Robert de Borron sind, und zwar derjenigen, die ich beanspruche rekonstruiert zu haben. Als ein Beispiel führe ich hier eine Stelle an, die auf die Dreiteilung des Werkes Bezug hat, und die sich in der Hs. No. 343 auf fol. 101a, in der portugiesischen Hs. auf fol. 179a und in den spanischen Drucken im 355. Kapitel befindet:

ils sorent erranment que ce estoit Galahaz qui celle auenture auoit menée a fin et distrent bien que ce nestoit mie par cheualerie. Mes par miracle de nostre seignor. si firent metre celle auenture en escrit entre les autres auentures.

E Galahaz quant il se fu partiz del chevalier cheuaucha puis mainte iornee et maintes auentures mist a fin dont cil de beron ne parle mie. car trop eust a faire se il voloit a cestui point raconter toutes les merueilles del Grahal. et la darraine partie de son liure fust trop grant auers les autres deuspremieres: mes ce sanz faille quil lesse a deuiser en ceste paitie deuisse es contes del brait car li conte del brait sanz doute trait dune part, por faire les parties del liure egalles a nostre pooir.

E logo todos entenderom que aquele fora Galaaz e disserom que aquelo nom fora por caualaria mas por grande amor que Ihi avia deus e fezerom aquela auentura escriuer ante as outras. O que aqui mingua das auenturas de Galaaz iaz no conto do braado.