Erst um drei Uhr Nachmittags brachen wir demnach von diesem Lagerplatze auf. Anfangs war der Wald außerordentlich verwachsen, und kaum noch eine Spur des vorigen Weges zu sehen. Wir mußten uns daher nach dem Compasse richten, und legten es folglich, wie die Schiffer sprachen, auf Südwest an. So erreichten wir mit sinkendem Abend eine bequeme Lagerstelle, wo alles auf oben beschriebene Weise eingerichtet ward. Die Nacht vergieng ohne Abentheuer; nur daß einmal ein Elephant in unsere Nähe kam.
Die folgende Tagereise (12. Juni) bot durchaus nichts Merkwürdiges dar, war aber außerordentlich lang — Wir kamen erst Abends um zehn Uhr bei unserem Lagerplatze an. Ich mußte diese Nacht die erste Wache halten, und mochte vor Müdigkeit wohl ein wenig eingeschlummert seyn. Plözlich wurde ich durch ein lautes Geschrei geweckt — »Ein Tiger! Herr! Ein Tiger!« — riefen die Träger mit Entsetzen, und zeigten auf ein Paar glänzende Punkte, die ich mitten durch die Finsterniß, wie zwei kleine Lichter schimmern sah. Es waren die Augen des Tigers, der auf seine Beute zu lauern schien. Ich nahm meine Flinte und weckte Freund Templyn auf, der ein sehr guter Schütze war. Wir beschlossen gerade auf die Mitte zwischen den beiden Punkten zu zielen, und drückten zu gleicher Zeit ab. Bald darauf vernahmen wir ein Stöhnen, das uns über den Tod des Thieres keinen Zweifel übrig ließ. Wirklich fanden wir den Tiger am andern Morgen, und nahmen seine Haut als Siegeszeichen mit.
Unser Weg ward immer steinigter, wie der Wald lichter zu werden anfieng. Wir waren nämlich kaum einige Meilen von den Gebirgen von Couragahing entfernt. Als wir so einige Zeit fortmarschirt waren, wurden wir auf einem Baume einen Bienenstock gewahr. Sogleich bot sich einer unserer Träger an, hinaufzuklettern, und den Ast abzuhauen. Er thut es, erreicht den Ast, und führt den ersten Streich. Allein plözlich stürzen die Bienen auf ihn los, und hängen sich an seine nackten Glieder an. Brüllend von Schmerz will er heruntersteigen, thut einen Fehltritt, stürzt herab, und bricht das Bein. Um ihm Hülfe zu verschaffen, beschlossen wir uns östlich nach der Küste zu wenden, wo allein Dörfer anzutreffen sind.
Eilends wurde nun der Bienenschwarm mit Rauch vertrieben, eine Tragbahre von Baumästen gemacht, der arme Träger (Kulie) darauf gelegt, und der Marsch fortgesezt. Um ein Uhr Nachmittags hielten wir eine halbe Stunde an, und nahmen etwas Kaltes zu uns. Der Rest der Tagereise war wegen des schlechten Weges, und des Mangels an Wasser sehr unangenehm. Gegen acht Uhr Abends kamen wir endlich aus dem Walde heraus, und gegen zehn Uhr erreichten wir das große Dorf Vedative, wo ein holländischer Posten ist. Hier brachten wir den armen Träger zu einem Töpfer[5], versahen ihn mit dem nöthigen Gelde zur Kur und Heimreise, und nahmen einen andern an seine Stelle an. Hierauf begaben wir uns zu dem Kommandanten des Postens, wo Gesellschaft von Verwandten war.
Wir mußten uns sogleich zum Abendessen niedersetzen, das aus Reis und vortrefflichem Wildpret bestand. Der gute alte Mann hieß Joseph Voit, und hatte bereits fünf und sechzig Jahre hier gelebt. Sein Vater und Großvater hatten jeder die Stelle fünfzig Jahre bekleidet, und er selbst war nicht weit mehr von dieser Zahl. — O Menschenleben! — O Glück der Beschränktheit! —
Viertes Capitel.
Der Tag brach an (14. Juni); bald war Abschied genommen, und Vedative blieb hinter uns. Um zwei Uhr Nachmittags erreichten wir das große und schöne Dorf Mantore, fanden aber keine Lebensmittel daselbst. Ich schickte daher einen unserer Träger mit einem Briefe nach Manaar, an meinen alten Freund, den Ingenieurhauptmann Nagel ab. Unterdessen behalfen wir uns mit einigen übriggebliebenen Rebhühnern, und beschlossen für heute nicht weiter zu gehen. Gegen Abend kam endlich mein Bote mit Arrak, Anisliqueur und Lebensmitteln zurück, worauf es eine recht fröhliche Abendmahlzeit gab.
Am folgenden Morgen ward die Reise mit erneuerten Kräften fortgesezt. Wir durchschnitten eine große, sandige Ebene, auf der wir eine Menge Schakals schwärmen sahen. Bald aber kamen wir an den Strand, wo der Weg äußerst beschwerlich ward. Wir begegneten drei malabarischen Reisenden, die von Colombo kamen, und langten Abends gegen fünf Uhr in Bangala an. Dies ist ein ansehnliches Dorf, das von getauften Singalesen bewohnt wird. Hier übernachteten wir in der katholischen Kirche, die uns der Majoral gegen eine billige Vergütung öffnen ließ.
Unsere siebente Tagereise war höchst unangenehm, und bot überdem durchaus nichts Merkwürdiges dar. Wenig Schatten, höchstbeschwerlicher Fußsteig längs dem Strande hin, und auf dem ganzen langen Wege kein einziges Dorf. Endlich giengen wir Abends um sechs Uhr über den Calear, der beinahe ausgetrocknet war, und fanden am andern Ufer eine Pagode, deren Bramin uns sehr freundlich aufnahm. Wir übernachteten in der Nähe auf die gewöhnliche Art.
Am folgenden Morgen sahen wir einem heftigen Kampfe zwischen zwei Büffeln zu. Sie trafen so gewaltig zusammen, daß jedes Stirn von Eisen zu seyn schien. Ich fühlte mich unpaß; auch fieng es heftig zu regnen an. Wir brachen daher erst um zwei Uhr Nachmittags auf, und legten nur vier Stunden zurück.