»Man kann es, Mönch«, sprach der Erhabene. »Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein König Kaiser geworden ist, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen: da wird er infolge davon Freude und Frohsinn erfahren. Das aber sind seine sieben Juwelen, und zwar[155]: das beste Land, der beste Elephant, das beste Ross, die beste Perle, das beste Weib, der beste Bürger, und siebentens der beste Staatsmann. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen sieben Juwelen begabt. {307} Was aber sind die vier Vermögen? Da ist, ihr Mönche, der König als Kaiser schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuerst mit diesem Vermögen begabt.[156] Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser hat lange Lebensdauer, langen Bestand, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuzweit mit diesem Vermögen begabt. Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist gesund und munter, seine Kräfte sind gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß, weit besser als bei anderen Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zudritt mit diesem Vermögen begabt.[157] Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist Priestern und Hausvätern lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Vater den Kindern lieb ist und werth, ebenso nun auch, ihr Mönche, ist ein König als Kaiser Priestern und Hausvätern lieb und werth. Und einem Könige, ihr Mönche, als Kaiser sind Priester und Hausväter lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, einem Vater die Kinder lieb sind und werth, {308} ebenso nun auch, ihr Mönche, sind einem Könige als Kaiser Priester und Hausväter lieb und werth. Vormals, ihr Mönche, geschah es, da ein König als Kaiser, gefolgt von dem viermächtigen Heerbanne[158], zur Frühjahrsfeier hinauszog, dass ihm Priester und Hausväter entgegengingen und also sprachen: ›Verweile, Gebieter, auf deinem Zuge, auf dass wir länger deinen Anblick erschauen.‹ Und auch ein König, ihr Mönche, als Kaiser mahnte den Wagenlenker: ›Ohne Eile, Wagenlenker, lasse weiter uns fahren, auf dass ich länger den Anblick der Priester und Hausväter vor mir habe.‹ Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuviert mit diesem Vermögen begabt. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen vier Vermögen begabt. Was meint ihr nun, Mönche: könnte da nicht ein König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, daran Freude und Frohsinn erfahren?«
»Auch nur, o Herr, mit einem einzigen der Juwelen begabt könnte ein König als Kaiser daran Freude und Frohsinn erfahren, geschweige denn mit den sieben Juwelen, mit den vier Vermögen.«
Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche:
»Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige, handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himālayo, der König der Berge?«
»Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein, den der Erhabene da hat: gegen den Himālayo, den König der Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann was ein solcher König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, dabei an Freude und Frohsinn erfährt gegen himmlische Freude nicht gezählt, {309} nicht gerechnet, nicht verglichen werden.[159]
»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wenn der irgend einmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschenthum erwirbt, so ist es ein hoher Stand, wie der von mächtigen Fürsten oder von mächtigen Priestern oder von mächtigen Bürgern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem wohlhabenden, mächtig bemittelten, mächtig begüterten, der reichlich mit Gold und Silber, reichlich mit Besitz und Hausrath, reichlich mit Geld und Gut versehn ist. Und er ist schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, entbehrt nicht Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt wohl in Werken, wandelt wohl in Worten, wandelt wohl in Gedanken; und ist er in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, wieder in himmlische Welt.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum gewinnen mag; geringfügig ist da, ihr Mönche, der Hauptwurf, wann der Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum gewinnen mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer Hauptwurf als jener, wann der Weise in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt wiederkehrt.
»Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des Weisen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[160]