»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den zweiten Götterboten belehrt, wird über den dritten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den dritten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib oder einen Mann gesehn, unwohl, leidend, schwerkrank, mit Koth und Harn beschmutzt daliegend, von anderen gehoben, von anderen bedient?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin der Krankheit unterworfen, habe die Krankheit nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: {314} du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den dritten Götterboten belehrt, wird über den vierten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den vierten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen gesehn wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Wer da wahrlich Uebelthaten verübt, wird schon bei Lebzeiten mit gar mancher Strafe gestraft: wie erst mag es dann drüben sein! Wohl denn, günstig will ich wirken, {315} in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den vierten Götterboten belehrt, wird über den fünften Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den fünften Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib oder einen Mann gesehn, einen Tag oder zwei Tage oder drei Tage nach dem Verscheiden, aufgedunsen, blauschwarz gefärbt, in Fäulniss übergegangen?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin dem Sterben unterworfen, habe das Sterben nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater, {316} hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹ Und hat einen solchen, ihr Mönche, der Richter der Schatten über den fünften Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet, so verstummt er.[165]
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fünffache Schmiede geheißene Strafe durchmachen. Einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die eine Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die andere Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den einen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den anderen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm mitten in die Brust. So hat er da schmerzliche, {317} brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter überfallen und mit Aexten zerspalten; Fuß oben, Kopf unten anpacken und mit Messern zerschlitzen; lassen ihn an einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige, flammende, flackernde Fläche hinüber, herüber; lassen ihn einen hohen, glühenden, feurigen, flammenden, flackernden Felsen emporklimmen, herabklimmen; lassen ihn Fuß oben, Kopf unten anpacken und in einen siedenden, feurigen, flammenden, flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu schaumigem Gischte aufgekocht wird und also bald emporsteigt und bald herabsinkt und bald queerdurchtreibt. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier Winkel und vier Thore, genau nach den Seiten vertheilt, ist mit eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr Boden, aus Eisen bestanden, von glühender Röthe durchdrungen, erstreckt sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin. In dieser Erzhölle aber, ihr Mönche, steigt von der östlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die westliche Wand, steigt von der westlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die östliche Wand, steigt von der nördlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die südliche Wand, steigt von der südlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die nördliche Wand, steigt von unten eine Stichflamme auf und stößt bis oben empor, steigt von oben eine Stichflamme auf und stößt bis unten herab. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, {318} und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehn in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum der selbe geworden; und hat er es nun, ihr Mönche, oftmals erprobt, dann schließt sich das Thor wieder zu. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das westliche Thor, das nördliche Thor, das südliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehn in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum der selbe geworden; und hat er es nun, ihr Mönche, oftmals erprobt, dann schließt sich das Thor wieder zu. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.[166]
»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehen in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum derselbe geworden, und er flüchtet sich durch das Thor hinaus. Dieser Erzhölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich die große Dreckhölle angeschlossen: da stürzt er hinein.[167] In der großen Dreckhölle nun, ihr Mönche, giebt es nadelmäulige Maden, die bohren sich in die Haut ein, und haben sie die Haut durchbohrt so bohren sie sich in das Fett ein, und haben sie das Fett durchbohrt so bohren sie sich in das Fleisch ein, und haben sie das Fleisch durchbohrt so bohren sie sich in die Sehnen ein, und haben sie die Sehnen durchbohrt so bohren sie sich in die Knochen ein, und haben sie die Knochen durchbohrt so fressen sie das Knochenmark auf.[168] So hat er da schmerzliche, {319} brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Dieser Dreckhölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich die große Hundehölle[169] angeschlossen: da stürzt er hinein. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.