VIELLEICHT
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene zu Kusinārā, bei Gabenhain, im Waldgehölze. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Vielleicht, ihr Mönche, meint ihr von mir: ›Um der Kleidung willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um der Almosenbissen willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um des Obdachs willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um dieser und anderer Dinge willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar‹?«
»Nicht doch, o Herr, meinen wir vom Erhabenen: ›Um der Kleidung willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um der Almosenbissen willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um des Obdachs willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um dieser und anderer Dinge willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar.‹«
{40} »Wenn ihr denn, Mönche, von mir das nicht meint, was also meint ihr wohl, Mönche, von mir?«
»Das meinen wir, o Herr, vom Erhabenen: mitleidig ist der Erhabene, wohlwollend, von Mitleid bewogen legt er die Lehre dar.«
»Meint ihr nun, Mönche, das von mir, dann habt ihr da, Mönche, was ich euch unterweisend oftmals[10] gezeigt habe, und zwar die vier Pfeiler der Einsicht, die vier gewaltigen Kämpfe, die vier Machtgebiete, die fünf Fähigkeiten, die fünf Vermögen, die sieben Erweckungen, den heiligen achtfältigen Weg eben alle in Eintracht, verträglich, ohne Hader hier eifrig zu üben.
»Und während ihr euch, Mönche, in Eintracht, verträglich, ohne Hader eifrig übt, seien zwei Mönche über die Lehre verschiedener Meinung. Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese Ehrwürdigen denken anders über den Sinn und anders über das Wort‹, so hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen denken anders über den Sinn und anders über das Wort; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es dem Sinne nach anders ist und dem Worte nach, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ Und auch bei den anderen, gegenüberstehenden Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen denken anders über den Sinn und anders über das Wort; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es dem Sinne nach anders ist und dem Worte nach, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ So hat man falsch Verstandenes als falsch verstanden festzustellen, und {41} hat man falsch Verstandenes als falsch verstanden festgestellt, was Lehre ist und was Zucht ist vorzutragen.
»Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese Ehrwürdigen denken wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach sind sie einig‹, so hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen denken wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach sind sie einig; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach das selbe ist, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ Und auch bei den anderen, gegenüberstehenden Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen denken wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach sind sie einig; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach das selbe ist, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ So hat man falsch Verstandenes als falsch verstanden festzustellen, recht Verstandenes als recht verstanden festzustellen, und hat man falsch Verstandenes als falsch verstanden festgestellt, recht Verstandenes als recht verstanden festgestellt, was Lehre ist und was Zucht ist vorzutragen.