»Wohlan denn, ihr Brüder, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Bruder!« antworteten da aufmerksam jene Mönche dem ehrwürdigen Mahākaccāno. Der ehrwürdige Mahākaccāno sprach also:

{380} »Den Stämpel, ihr Brüder, den uns der Erhabene im Umrisse dargestellt hat, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern: ›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben, dass ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche, das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden künftig nicht mehr finden‹: diese kurze Andeutung, ihr Brüder, stelle ich ihrem Inhalt gemäß in folgender Weise ausführlich dar. — Wie also wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach außen zerstreut und zerfahren bezeichnet? Hat da, ihr Brüder, ein Mönch mit dem Gesichte eine Form erblickt, so folgt das Bewusstsein den Spuren der Form nach, wird von den anziehenden Spuren der Form verlockt, von den anziehenden Spuren der Form gefangen, von den anziehenden Spuren der Form fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das Bewusstsein zerstreut und zerfahren. Hat er mit dem Gehöre einen Ton gehört, hat er mit dem Geruche einen Duft gerochen, hat er mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt, hat er mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat er mit dem Gedenken ein Ding erkannt, so folgt das Bewusstsein den Spuren des Dinges nach, wird von den anziehenden Spuren des Dinges verlockt, von den anziehenden Spuren des Dinges gefangen, von den anziehenden Spuren des Dinges fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das Bewusstsein zerstreut und zerfahren. Also wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach außen zerstreut und zerfahren bezeichnet.

»Wie aber wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach außen nicht zerstreut, nicht zerfahren bezeichnet? Hat da, ihr Brüder, ein Mönch mit dem Gesichte eine Form erblickt, so folgt das Bewusstsein den Spuren der Form nicht nach, wird von den anziehenden Spuren der Form nicht verlockt, von den anziehenden Spuren der Form nicht gefangen, von den anziehenden Spuren der Form nicht fesselverstrickt: nach außen, sagt man,{381} ist das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren. Hat er mit dem Gehöre einen Ton gehört, hat er mit dem Geruche einen Duft gerochen, hat er mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt, hat er mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat er mit dem Gedenken ein Ding erkannt, so folgt das Bewusstsein den Spuren des Dinges nicht nach, wird von den anziehenden Spuren des Dinges nicht verlockt, von den anziehenden Spuren des Dinges nicht gefangen, von den anziehenden Spuren des Dinges nicht fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren. Also wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach außen nicht zerstreut, nicht zerfahren bezeichnet.

»Wie aber wird, ihr Brüder, das Herz als innen zuständig bezeichnet? Da hat, ihr Brüder, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt ruhegeborener säliger Heiterkeit nach, wird von ruhegeborener säliger Heiterkeit verlockt, von ruhegeborener säliger Heiterkeit gefangen, von ruhegeborener säliger Heiterkeit fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille erwirkt, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nach, wird von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit verlockt, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit gefangen, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, verweilt der Mönch in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt dem Gleichmuthe nach, wird von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes verlockt, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes gefangen, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden,{382} nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen, vollkommenen Reine, die vierte Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt dem leidlos Freudlosen nach, wird von dem anziehenden leidlos Freudlosen verlockt, von dem anziehenden leidlos Freudlosen gefangen, von dem anziehenden leidlos Freudlosen fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist das Herz. Also wird, ihr Brüder, das Herz als innen zuständig bezeichnet.

»Wie aber wird, ihr Brüder, das Herz als innen unzuständig bezeichnet? Da hat, ihr Brüder, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht nach, wird von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht verlockt, von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht gefangen, von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille erwirkt, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht nach, wird von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht verlockt, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht gefangen, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, verweilt der Mönch in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt dem Gleichmuthe nicht nach, wird von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht verlockt, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht gefangen, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt dem leidlos Freudlosen nicht nach, wird von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht verlockt, von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht gefangen, von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. {383} Also wird, ihr Brüder, das Herz als innen unzuständig bezeichnet.

»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert? Da hat einer, ihr Brüder, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und betrachtet die Form als sich selbst, oder sich selbst als formähnlich, oder in sich selbst die Form, oder in der Form sich selbst. Nun wandelt sich ihm seine Form um, verändert sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der Form herum. Aus dem Herumdrehn um den Wandel der Form gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, hervor, umspannen ihm rings das Herz. Weil ihm das Herz rings umspannt ist, kommt ihn Zittern und Quaal und Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er erschüttert. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein betrachtet er als sich selbst, oder sich selbst als bewusstseinähnlich, oder in sich selbst das Bewusstsein, oder im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel des Bewusstseins herum. Aus dem Herumdrehn um den Wandel des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, hervor, umspannen ihm rings das Herz. Weil ihm das Herz rings umspannt ist, kommt ihn Zittern und Quaal und Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er erschüttert. Also wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert.

»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen nicht erschüttert? Da hat einer, ihr Brüder, als erfahrener heiliger Jünger das Heilige gemerkt, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, hat das Edle gemerkt, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich und betrachtet die Form nicht als sich selbst, noch sich selbst als formähnlich, noch in sich selbst die Form, noch in der Form sich selbst. {384} Nun wandelt sich ihm seine Form um, verändert sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der Form nicht herum. Ohne Herumdrehn um den Wandel der Form gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz. Weil ihm das Herz nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern, keine Quaal, kein Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein betrachtet er nicht als sich selbst, noch sich selbst als bewusstseinähnlich, noch in sich selbst das Bewusstsein, noch im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel des Bewusstseins nicht herum. Ohne Herumdrehn um den Wandel des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz. Weil ihm das Herz nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern, keine Quaal, kein Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert. Also wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen unerschütterlich.

»Das, ihr Brüder, scheinen mir die ausgeführten Abzeichen jenes Stämpels zu sein, den uns der Erhabene im Umrisse dargestellt hat: ›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben, dass ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche, das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden künftig nicht mehr finden.‹ {385} Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht ist, so gehet hin und befragt den Erhabenen selbst hierüber: wie es uns der Erhabene erklärt wollet es behalten.«

Da waren denn jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend berichteten nun {386} jene Mönche dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung, die sie mit dem ehrwürdigen Mahākaccāno gehabt hatten. »Da hat uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno auf solche Weise, in solcher Art, mit solchen Bestimmungen den Inhalt dargestellt.«