»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Leibe eine Tastung getastet und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann seinen eingezogenen Arm ausstrecken oder seinen ausgestreckten Arm einziehn kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen.
»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, {492} wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, wenn ein Mann auf eine tagüber am Feuer glühende eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen herabträufeln ließe — langsam, Ānando, wäre der Fall der Tropfen, aber gar eilig würden sie aufgelöst und verschwunden sein —: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen. — So aber hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.
»Wie aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. Er hat mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, {493} Entsetzen an, Abscheu an. So aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten.
»Wie aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahr bleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; {494} wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. So aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig.
»Und so hab’ ich, Ānando, gezeigt wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat, gezeigt wie man als Kämpfer vorgeschritten ist, gezeigt wie man als Heiliger sinnesgewaltig ist. Was ein Meister, Ānando, den Jüngern aus Liebe und Theilnahme, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir empfangen. Da laden, Ānando, Bäume ein, und dort leere Klausen. Wirket Schauung, Ānando, auf dass ihr nicht lässig werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.