[163] mahallako, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl. mahilā = adulta; āyuṣmān, in aetatem esse, etc. — Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.

[164] Genau so der platonische Mythos, den SOKRATES, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo RHADAMANTHYS, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klar Manus IV, 239–241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.

Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter MEGASTHENES aufgefallen, der da, bei STRABO p. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχης και των παθ’ ᾁδου κρισεων, και αλλα τοιαυτα. — Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.

Geistesverwandt sind bei SHAKESPEARE the visible spirits of the heavens, the justicers, Lear IV, 2.

[165] Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von SCHOPENHAUER nach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. — Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt PETRARCA im ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. — Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« — Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem VASARI gesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei MICHELANGELO wieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also MOZART, dessen Werk allmälig von KÖCHEL und JAHN erschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«

Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:

Povre et riche, par tout le mont,

De tout l’avoir qu’assamblé ont,

Qu’enportent ils quant ils s’en vont?