»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben: da kommt ein Jünger des Asketen Gotamo heran, Pañcakaṉgo der Baumeister! Von jenen Jüngern des Asketen Gotamo, die da als Hausleute, weiß gekleidet, in Sāvatthī wohnen, ist dieser auch einer, Pañcakaṉgo der Baumeister. Und sie lieben nicht lauten Lärm, diese Herren, Ruhe ist ihnen recht, Ruhe preisen sie; vielleicht mag ihn der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen, seine Schritte hierher zu lenken.«
Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und Pañcakaṉgo der Baumeister kam näher zu Uggāhamāno dem Pilger, dem Sohne der Samaṇamuṇḍikā, heran. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Und zu Pañcakaṉgo dem Baumeister, der da zur Seite saß, sprach nun Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, also:
{343} »Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben: welche vier? Da begeht er, Baumeister, keine böse That in Werken, redet kein böses Wort, hegt keine böse Gesinnung, lebt kein böses Leben. Diese vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben.«
Aber Pañcakaṉgo der Baumeister war durch die Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, weder befriedigt noch verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung stand er von seinem Sitze auf und ging fort: ›Beim Erhabenen werd’ ich den Sinn dieser Worte verstehn.‹
Und Pañcakaṉgo der Baumeister begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun Pañcakaṉgo der Baumeister dem Erhabenen Wort für Wort alles was Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, gesagt. Als er geendet, wandte sich der Erhabene zu ihm und sprach:
»Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß. Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Werken: woher sollt’ er gar böse That in Werken begehn, es sei denn dass er um sich schlägt. {344} Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Worten: woher sollt’ er gar böses Wort reden, es sei denn dass er schreit. Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Gesinnung: woher sollt’ er gar böse Gesinnung hegen, es sei denn dass er zornig ist.[118] Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Leben: woher sollt’ er gar böses Leben leben, es sei denn dass er Muttermilch nimmt. Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß.
»Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen noch nicht gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, sondern nur bis zu jenem zarten Knaben, dem unvernünftigen Säugling, heranreichen: welche vier? Da begeht er, Baumeister, keine böse That in Werken, redet kein böses Wort, hegt keine böse Gesinnung, lebt kein böses Leben. Diese vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen noch nicht gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, sondern nur bis zu jenem zarten Knaben, dem unvernünftigen Säugling, heranreichen.
»Zehn Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben.
{345} »‚So ist üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gehabung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang übler Gehabung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist gute Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt gute Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht gute Gehabung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang guter Gehabung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist üble Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt üble Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gesinnung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang übler Gesinnung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht gute Gesinnung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man {346} dem Untergang guter Gesinnung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen.
»Was ist aber, Baumeister, üble Gehabung? Ueble That in Werken, üble That in Worten, böses Leben: das heißt man, Baumeister, üble Gehabung. Und woher, Baumeister, kommt diese üble Gehabung? Spricht man von ihrer Herkunft, so hat man zu sagen: aus dem Herzen kommt sie her.[119] Welcher Art ist das Herz? Das Herz ist eben gar vielfältig, manigfach, unterschiedlich; das Herz, das Gier, Hass und Irre birgt[120], da kommt die üble Gehabung her. Und wo, Baumeister, geht diese üble Gehabung ohne Ueberrest unter? Spricht man von ihrem Untergange, so gilt es, Baumeister, dass der Mönch üblen Wandel in Werken verlasse und guten Wandel in Werken erfülle, üblen Wandel in Worten verlasse und guten Wandel in Worten erfülle, üblen Wandel in Gedanken verlasse und guten Wandel in Gedanken erfülle, falsches Leben verlasse und auf rechte Weise das Leben friste: da geht jene üble Gehabung ohne Ueberrest unter. Wie aber wandelt man, Baumeister, dem Untergang übler Gehabung entgegenzugehn? Da weckt, Baumeister, der Mönch seinen Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern, weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit. {347} Also wandelt man, Baumeister, dem Untergang übler Gehabung entgegenzugehn.