›Ich kenne, großer König, eine Burgstadt, die heißt Vebhaliṉgam; dort lebt ein Hafner Namens Ghaṭīkāro: der ist mir zugethan, ganz besonders zugethan. Du aber, großer König, denkst also: ‚Nicht mag mir Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, zustimmen und über die Regenzeit nach Benāres kommen!‘ und bist gar betrübt und traurig. Das kennt nun Ghaṭīkāro der Hafner nicht und soll es nicht kennen. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat beim Erwachten Zuflucht genommen, bei der Lehre Zuflucht genommen, bei der Jüngerschaft Zuflucht genommen. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hütet sich vor dem Tödten, hütet sich vor dem Nehmen des Nichtgegebenen, hütet sich vor Ausschweifung, hütet sich vor der Lüge, hütet sich vor Wein und gebranntem Wasser, vor berauschenden und berückenden Mitteln. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat seine Liebe zum Erwachten erprobt, seine Liebe zur Lehre erprobt, seine Liebe zu den Jüngern erprobt, hat Eigenschaften wie sie Heiligen lieb sind. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, zweifelt nicht am Leiden, zweifelt nicht an der Leidensentwicklung, zweifelt nicht an der Leidensauflösung, zweifelt nicht am Pfade, der zur Leidensauflösung führt. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, nimmt einmal des Tages Nahrung zu sich, er lebt keusch, ist tugendhaft, von edler Art. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat Schmuck und Juwelen abgelegt, Gold und Silber von sich gethan. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, gräbt seine Erde mit der Hand, nicht mit dem Spatel, aus.[140] Findet er ein Nesthäkchen oder ein Kaninchen, so hebt er es liebevoll auf, legt es in ein Gefäß und spricht ihm zu: {380} ‚Hier werden nach Wunsch übrig gebliebene[141] Reiskörner und übrig gebliebene Bohnen und übrig gebliebene Erbsen ausgetheilt: nehme sich jeder was er nur will!‘ Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, ernährt seine greisen, erblindeten Eltern. Ghaṭīkāro, großer König, der Hafner, hat die fünf niederzerrenden Fesseln vernichtet, steigt empor, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.
›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich zu Vebhaliṉgam der Burgstadt. Und ich nahm, großer König, zeitig gerüstet, Mantel und Schaale und begab mich zu den Eltern des Hafners Ghaṭīkāro und sprach also zu ihnen: ‚Sagt mir, wo ist denn der Bhaggaver[142] hingegangen?‘ — ‚Er ist nicht daheim, o Herr, dein Fürwalter: aber lass’ dir Reis aus der Schüssel und Brühe aus dem Napfe geben und nimm theil am Mahle!‘ — Und ich ließ mir, großer König, Reis aus der Schüssel und Brühe aus dem Napfe geben, nahm theil am Mahle, erhob mich dann und ging fort. Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach Hause kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat hier gespeist und gerastet und ist wieder gegangen?‘ — ‚Kassapo war es, lieber Sohn, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der hier gespeist und gerastet hat und wieder gegangen ist.‘ Da gedachte nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin ich, fürwahr, {381} hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten hat!‘ — Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude darüber bei Ghaṭīkāro dem Hafner an, und eine Woche bei seinen Eltern.
›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich wieder zu Vebhaliṉgam der Burgstadt. Und ich nahm, großer König, zeitig gerüstet, Mantel und Schaale und begab mich zu den Eltern des Hafners Ghaṭīkāro und sprach also zu ihnen: ‚Sagt mir, wo ist denn der Bhaggaver hingegangen?‘ — ‚Er ist nicht daheim, o Herr, dein Fürwalter: aber lass’ dir Grütze aus dem Topf und Brühe aus dem Napfe geben und nimm theil am Mahle!‘ — Und ich ließ mir, großer König, Grütze aus dem Topf und Brühe aus dem Napfe geben, nahm theil am Mahle, erhob mich dann und ging fort. Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach Hause kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat hier gespeist und gerastet und ist wieder gegangen?‘ — ‚Kassapo war es, lieber Sohn, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der hier gespeist und gerastet hat und wieder gegangen ist.‘ Da gedachte nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin ich, fürwahr, hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten hat!‘ — Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude darüber bei Ghaṭīkāro dem Hafner an, {382} und eine Woche bei seinen Eltern.
›Es war einmal, großer König, da weilt’ ich wieder zu Vebhaliṉgam der Burgstadt. Um diese Zeit nun goss der Regen auf die Hütten herab. Und ich mahnte, großer König, die Mönche: ‚Geht, ihr Mönche, und bittet im Hause des Hafners Ghaṭīkāro um Stroh.‘ Also gemahnt, großer König, sagten die Mönche zu mir: ‚Ghaṭīkāro der Hafner, o Herr, hat im Hause kein Stroh: aber das Dach vor dem Eingang ist mit Stroh gedeckt.‘ — ‚Geht, ihr Mönche, und nehmt das Stroh vor dem Eingang bei Ghaṭīkāro dem Hafner weg.‘ Und die Mönche, großer König, nahmen das Stroh vor dem Eingang bei Ghaṭīkāro dem Hafner weg. Da sprachen nun, großer König, die Eltern des Hafners Ghaṭīkāro also zu den Mönchen: ‚Wer nimmt da das Stroh vor dem Eingange weg?‘ — Die Mönche sagten: ‚O Schwester, auf die Hütte Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten, gießt der Regen herab.‘ — ‚So nehmt nur, Verehrte, so nehmt nur, Liebwerthe!‘ — Als nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner nach Hause kam, fragte er seine Eltern: ‚Wer hat da das Stroh vor dem Eingange weggenommen?‘ — ‚Die Mönche, lieber Sohn, sagten, auf die Hütte Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten, gieße der Regen herab.‘ — Da gedachte nun, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner: ‚Gesegnet bin ich, fürwahr, hochgesegnet, fürwahr, dass mich da Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, so werth gehalten hat!‘ — Und zwei Wochen, großer König, hielt die Freude darüber bei Ghaṭīkāro dem Hafner an, und eine Woche bei seinen Eltern. Und das Dach vor dem Hause, großer König, {383} war die ganze Regenzeit hindurch ungedeckt, aber es regnete nicht herein.[143]
›Von solcher Art ist, großer König, Ghaṭīkāro der Hafner.‹
›Gesegnet, o Herr, ist Ghaṭīkāro der Hafner, hochgesegnet ist er, o Herr, Ghaṭīkāro der Hafner, der vom Erhabenen so werth gehalten wird!‹
Da ließ nun, Ānando, Kikī der König von Benāres Ghaṭīkāro dem Hafner fünfhundert Wagen Reis zustellen, von frischem, zartem Korne, nebst zugehöriger Würze. Und die königlichen Beamten, Ānando, kamen zu Ghaṭīkāro dem Hafner und sprachen zu ihm: ›Diese fünfhundert Wagen, o Herr, Reis von frischem, zartem Korne, nebst zugehöriger Würze, hat dir Kikī der König von Benāres gesandt: die möge der Herr entgegennehmen!‹ — ›Der König hat viel zu thun, viel zu schaffen: genug schon, dass es vom Könige kommt.‹«[144]
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.
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