»Da kam mir, Königsohn, das einsichtgemäße Bewusstsein: ›Das ist der Weg zur Erwachung.‹
»Da kam mir, Königsohn, der Gedanke: ›Wie, sollt’ ich etwa jenes Glück fürchten, jenes Glück jenseit der Wünsche, jenseit des Schlechten?‹
»Da kam mir, Königsohn, der Gedanke: ›Nein, ich fürchte jenes Glück nicht, jenes Glück jenseit der Wünsche, jenseit des Schlechten.‹
»Da kam mir, Königsohn, der Gedanke: ›Nicht leicht kann wohl jenes Glück erreicht werden mit so außerordentlich entkräftetem Körper; wie, wenn ich nun feste Nahrung zu mir nähme, gekochten Reisbrei?‹ Und ich nahm, Königsohn, feste Nahrung zu mir, gekochten Reisbrei.
{450} »Zu jener Zeit aber, Königsohn, lebten fünf verbündete Mönche um mich herum: ›Wenn uns der Asket Gotamo die Wahrheit erkämpft haben wird, wird er sie uns mittheilen!‹ Als ich nun, Königsohn, feste Nahrung zu mir nahm, gekochten Reisbrei, da wandten sich jene fünf verbündeten Mönche von mir ab und gingen fort: ›Ueppig wird der Asket Gotamo, der Askese untreu, geneigt der Ueppigkeit.‹
»Und ich nahm nun, Königsohn, feste Nahrung zu mir, gewann Kraft und erwirkte, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung.
»Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens, Königsohn, erwirkte ich die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
»In heiterer Ruhe, Königsohn, weilte ich gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfand ich im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkte ich die Weihe der dritten Schauung.
»Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, Königsohn, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkte ich die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtete ich das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Ich erinnerte mich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehört ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnerte ich mich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Dieses Wissen, Königsohn, hatte ich nun in den ersten Stunden der Nacht als erstes errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich da ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte.