Um diese Zeit nun war irgend einem Hausvater sein einziges, vielgeliebtes Büblein gestorben. Und wie es nun todt war, mocht’ er sich weder um Arbeit noch Essen kümmern. Er ging immer wieder zur Leichenstätte und jammerte: ›Wo bist du, einziges Büblein, wo bist du, einziges Büblein?‹
Da nun begab sich jener Hausvater dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts hin. Und zu jenem Hausvater, der da seitwärts saß, wandte sich nun der Erhabene also:
»Nicht zeigst du, Hausvater, die Züge des geistig Gefassten: es sind deine Züge verstört.«
{477} »Wie sollten auch, o Herr, meine Züge nicht verstört sein: ist mir doch, o Herr, das einzige, vielgeliebte Büblein gestorben! Und da es nun todt ist, mag ich mich weder um Arbeit noch Essen kümmern. Ich geh’ immer wieder zur Leichenstätte und jammere: ›Wo bist du, einziges Büblein, wo bist du, einziges Büblein?‹«
»So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater. Was einem lieb ist, Hausvater, giebt ja Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.«[184]
»Wer wird da nur, o Herr, also denken: ›Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt‹: was einem lieb ist, o Herr, giebt ja Freude und Befriedigung, was von Liebem kommt.«
Und jener Hausvater, ungehalten und verstimmt über das Wort des Erhabenen, stand von seinem Sitze auf und ging fort.
Nun waren gerade damals, nicht gar fern vom Erhabenen, viele Würfelspieler beisammen, die Würfel spielten. Da begab sich denn jener Hausvater zu ihnen hin und sprach also:
»Ich war da, ihr Herren, zum Asketen Gotamo gegangen, hatte ehrerbietigen Gruß dargeboten und mich seitwärts hingesetzt. Und als ich da saß, ihr Herren, wandte sich der Asket Gotamo also an mich: ›Nicht zeigst du, Hausvater, die Züge des geistig Gefassten: es sind deine Züge verstört.‹ Also angeredet, ihr Herren, entgegnete ich dem Asketen Gotamo: ›Wie sollten auch, o Herr, meine Züge nicht verstört sein: ist mir doch, o Herr, das einzige, vielgeliebte Büblein gestorben! Und da es nun todt ist, mag ich mich weder um Arbeit noch Essen kümmern. {478} Ich geh’ immer wieder zur Leichenstätte und jammere: ‚Wo bist du, einziges Büblein, wo bist du, einziges Büblein?‘‹ — ›So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater. Was einem lieb ist, Hausvater, giebt ja Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.‹ — ›Wer wird da nur, o Herr, also denken: ‚Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt‘; was einem lieb ist, o Herr, giebt ja Freude und Befriedigung, was von Liebem kommt.‹ So sprach ich, ihr Herren, ungehalten und verstimmt über das Wort des Asketen Gotamo, stand von meinem Sitze auf und ging fort.«
»So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater! Was einem lieb ist, Hausvater, giebt ja Freude und Befriedigung, was von Liebem kommt.«