»Was glaubst du, Bhāradvājo: giebt es unter den Priestern auch nur einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»Was glaubst du, Bhāradvājo: die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, {580} deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu[247]: haben etwa diese gesagt: ›Wir selber wissen es, wir selber sehn es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»So giebt es denn, Bhāradvājo, unter den Priestern auch nicht einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹; giebt es unter den Priestern auch nicht einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber weiß es, ich selber seh’ es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹; und die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: auch diese haben nicht gesagt: ›Wir selber wissen es, wir selber sehn es; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹ Gleichwie etwa, Bhāradvājo, eine Reihe Blinder, einer dem anderen angeschlossen, und kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht: ebenso nun auch, Bhāradvājo, als eine Reihe Blinder will mir das Reden der Priester erscheinen, wo kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht.[248] {581} Was meinst du wohl, Bhāradvājo: ist also nicht das Vertrauen zu den Priestern grundlos?«
»Man geht ja nicht, o Gotamo, nur aus Vertrauen zu den Priestern, auch um des Hörensagens willen geht man zu ihnen.«
»Erst bist du da, Bhāradvājo, auf das Vertrauen gekommen: vom Hörensagen redest du jetzt. — Fünf Dinge giebt es, Bhāradvājo, die da im Leben zweierlei Ausgang haben: welche fünf? Vertrauen, Hingabe, Hörensagen, prüfendes Urtheil, geduldig Einsicht nehmen. Das sind, Bhāradvājo, fünf Dinge, die da im Leben zweierlei Ausgang haben. Denn man kann, Bhāradvājo, einer Sache gar wohl vertrauen, und sie ist hohl und leer und falsch; und man kann ihr auch wohl nicht vertrauen, und sie ist ächt und wahr[249] und wirklich. Denn man kann, Bhāradvājo, einer Sache gar wohl sich hingeben, gar wohl sie vom Hörensagen kennen, gar wohl prüfend beurtheilen, gar wohl in sie geduldig Einsicht nehmen, und sie ist hohl und leer und falsch; und man kann sich einer Sache auch wohl nicht hingeben, sie vom Hörensagen auch wohl nicht kennen, auch wohl nicht prüfend beurtheilen, auch wohl nicht in sie geduldig Einsicht nehmen, und sie ist ächt und wahr und wirklich. Wer der Wahrheit nachgeht, Bhāradvājo, ein verständiger Mann, der wird da nicht gleich einseitig den Schluss ziehn: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹.«
»Inwiefern aber, o Gotamo, geht man der Wahrheit nach? Wie kann man der Wahrheit nachgehn? Was der Wahrheit nachgehn sei fragen wir Herrn Gotamo.«
»Wenn da, Bhāradvājo, ein Mann Vertrauen hat, und er sich sagt ›Also ist mein Vertrauen‹ und der Wahrheit nachgeht, so wird er da nicht schon einseitig den Schluss ziehn: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹ Wenn da, Bhāradvājo, ein Mann sich einer Sache hingiebt, sie vom Hörensagen kennt, prüfend beurtheilt, in sie geduldig Einsicht nimmt, und er sich sagt ›Also nehm’ ich in sie geduldig Einsicht‹ und der Wahrheit nachgeht, so wird er da nicht schon einseitig den Schluss ziehn: {582} ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹ Insofern, Bhāradvājo, geht man der Wahrheit nach, so kann man der Wahrheit nachgehn, und insofern erklären wir was der Wahrheit nachgehn sei: doch ist es noch nicht der Wahrheit Nachkunft.«