»Was glaubst du, Brāhmane: die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: haben etwa diese gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«

»Wohl nicht, o Gotamo!«

»So giebt es denn, Brāhmane, unter den Priestern auch nicht einen Priester, {632} der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; giebt es unter den Priestern auch nicht einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; und die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: auch diese haben nicht gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen.‹ Gleichwie etwa, Brāhmane, eine Reihe Blinder, einer dem anderen angeschlossen, und kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht: ebenso nun auch, Brāhmane, als eine Reihe Blinder will mir das Reden der Priester erscheinen, wo kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht.«

So berichtet wurde Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos — vom Erhabenen mit dem Gleichnisse von der Blindenreihe belehrt — unwillig und unzufrieden; und den Erhabenen lästernd und den Erhabenen tadelnd und den Erhabenen warnend — ›Ob wohl der Asket Gotamo vollbracht hat‹ — sprach er also zum Erhabenen:[268]

»Pokkharasāti, o Gotamo, der Priester, der Opamaññer von Subhagavanam, hat gesagt: ›Ebenso auch behaupten da gar manche Asketen und Priester ein überirdisches, {633} reiches Heilthum der Wissensklarheit zu besitzen: denen gereicht diese Rede nur zum Spotte, zum bloßen Namen, erweist sich ganz eitel und nichtig. Denn wie sollte wohl ein Erdensohn ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen? Das ist unmöglich.‹«

»Wie denn, Brāhmane: kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, auch aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«

»Freilich, o Gotamo, nicht einmal bei seiner Magd Puṇṇikā kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, das Herz im Herzen schauen und erkennen: woher sollt’ er denn gar aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«

»Gleichwie etwa, Brāhmane, wenn da ein Blindgeborener wäre: der sähe keine schwarzen und keine weißen Gegenstände, keine blauen und keine gelben, keine rothen und keine grünen, er sähe nicht was gleich und was ungleich ist, sähe keine Sterne und nicht Mond und nicht Sonne. Und er spräche also: ›Es giebt nichts Schwarzes und Weißes, es giebt keinen, der Schwarzes und Weißes sähe; es giebt nichts Blaues und Gelbes, es giebt keinen, der Blaues und Gelbes sähe; es giebt nichts Rothes und Grünes, es giebt keinen, der Rothes und Grünes sähe; {634} es giebt nichts Gleiches und Ungleiches, es giebt keinen, der Gleiches und Ungleiches sähe; es giebt keine Sterne, es giebt keinen, der Sterne sähe; es giebt weder Mond noch Sonne, es giebt keinen, der Mond und Sonne sähe. Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht.‹ Würde der wohl, Brāhmane, also redend recht aussagen?«

»Gewiss nicht, o Gotamo! Es giebt Schwarzes und Weißes, und man sieht es; es giebt Blaues und Gelbes, und man sieht es; es giebt Rothes und Grünes, und man sieht es; es giebt Gleiches und Ungleiches, und man sieht es; es giebt Sterne und Mond und Sonne, und man sieht sie. ›Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht‹: also redend, o Gotamo, würde jener Mann gewiss nicht recht aussagen.«

»Ebenso nun auch, Brāhmane, ist der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, blind und augenlos. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. — Was meinst du wohl, Brāhmane: jene hochmögenden kosalischen Priester, als da sind Caṉkī der Priester, Tārukkho der Priester, Pokkharasāti der Priester, Jāṇussoṇi der Priester, oder dein Vater Todeyyo: welche gelten bei denen als besser, {635} die da mit Zusammenhang reden können, oder ohne Zusammenhang?«[269]