Also angesprochen entgegnete der Freie Bruder Nāthaputto Upāli dem Hausvater:

»Von Sinnen bist du, Hausvater, verloren hast du, Hausvater! Du hast ja gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Hoden auszureißen, und mit ausgerissenen Hoden heimkehrte; oder gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Augen auszureißen, und mit ausgerissenen Augen heimkehrte: ebenso nun auch, Hausvater, hast du gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Weggelockt worden bist du nun, Hausvater, vom Asketen Gotamo durch verlockende List.«

»Beglückend, o Herr, ist diese verlockende List, besäligend, o Herr, ist diese verlockende List! Wenn sich, o Herr, meine lieben Leute und Hausgenossen durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es auch meinen lieben Leuten und Hausgenossen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, alle Adeligen durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. {384} Wenn sich auch, o Herr, alle Priester und alle Bürger und alle Diener durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, die Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen durch solche Verlockung verleiten ließe, so würd’ es auch der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Und so will ich dir nun, o Herr, ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar.

»Es war einmal, o Herr, ein Brāhmane, der war alt und greis und hochbetagt, und hatte eine junge Brāhmanin zur Frau, die war schwanger, der Entbindung nahe. Und diese Brāhmanin, o Herr, sprach also zu ihrem Gemahl: ›Gehe, Brāhmane, auf den Markt, kaufe einen jungen Affen und bring’ ihn heim, auf dass er meinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte der Brāhmane seiner Gemahlin: ›Warte so lange, liebe Frau, bis du geboren hast: wenn du, liebe Frau, ein Knäblein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn und dir einen jungen Affen kaufen und heimbringen, auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde; wenn du aber, liebe Frau, ein Mägdlein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn und dir eine junge Aeffin kaufen und heimbringen, auf dass sie deinem Mägdlein eine Spielgenossin werde.‹ Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal, o Herr, sprach die Brāhmanin also zu ihrem Gemahl. Da ging nun endlich, o Herr, der Brāhmane, der seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, auf den Markt, kaufte einen jungen Affen, brachte ihn heim und sprach also zu seiner Gemahlin: {385} ›Da hast du, liebe Frau, den jungen Affen: ich hab’ ihn am Markte gekauft und dir nun heimgebracht, auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte die Brāhmanin ihrem Gemahle: ›Gehe, Brāhmane, mit diesem jungen Affen zu Rattapāṇi dem Färber und sag’ ihm: ‚Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser junge Affe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‘ Und der Brāhmane, o Herr, der seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, ging nun zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser junge Affe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieser junge Affe, o Herr, nimmt dir wohl Farbe an, aber lässt sich nicht aufwalzen, lässt sich nicht glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt der thörigen Freien Brüder Rede wohl Farbe an, für Thoren, nicht für Weise, aber lässt sich nicht zurichten, lässt sich nicht glatt machen. — Und jener Brāhmane, o Herr, ging nun ein anderes Mal mit einem neuen Stück Tuch zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieses neue Stück Tuch mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieses neue Stück Tuch, o Herr, das nimmt dir Farbe an und lässt sich aufwalzen und lässt sich glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt des Erhabenen Rede, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Farbe an, für Weise, nicht für Thoren, und lässt sich zurichten und lässt sich glatt machen.«

»Der König, o Hausvater, und das Hofgesinde weiß von dir: ›Upāli der Hausvater ist ein Jünger des Freien Bruders Nāthaputto‹; für wessen Jünger, Hausvater, sollen wir dich halten?«

Also befragt erhob sich Upāli der Hausvater von seinem Sitze, entblößte die eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung {386} wo der Erhabene weilte, und gab nun dem Freien Bruder Nāthaputto diese Antwort:

»So vernimm denn, o Herr, wessen Jünger ich bin.

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,

Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,