»Nicht wohl, Königsohn, einzig das.«

»Das haben, o Herr, die Freien Brüder vorgebracht.«

»Warum denn, Königsohn, sprichst du also: ›Das haben, o Herr, {394} die Freien Brüder vorgebracht‹?«

»Da war ich, o Herr, zum Freien Bruder Nāthaputto hingegangen, hatte ihn ehrerbietig begrüßt und mich seitwärts niedergesetzt. Und als ich da saß, sprach der Freie Bruder Nāthaputto also zu mir: ›Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim Worte: dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen: ‚Abhayo der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte genommen!‘‹ Auf diesen Rath, o Herr, erwiderte ich dem Freien Bruder Nāthaputto: ›Wie soll ich aber, o Herr, den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte nehmen?‹ — ›Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket Gotamo weilt, und sprich dann also zu ihm: ‚Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?‘ Wenn dir der Asket Gotamo auf diese Frage also antwortet: ‚Sagen mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge, die den anderen unlieb und unangenehm sind‘, so hast du also zu ihm zu reden: ‚Aber was ist dann nur, o Herr, für ein Unterschied zwischen dir und einem gewöhnlichen Menschen? Denn auch der gewöhnliche Mensch mag Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind.‘ Doch wenn dir der Asket Gotamo auf deine Frage also antwortet: ‚Nicht mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind‘, so hast du also zu ihm zu reden: ‚Aber hast du denn nicht, o Herr, von Devadatto gesagt: „Unsälig ist Devadatto, unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht Devadatto, unheilbar ist Devadatto“? Und diese deine Worte haben Devadatto zornig und unzufrieden gemacht!‘ Legst du, o Königsohn, dem Asketen Gotamo diese doppeldeutige Frage vor, so wird er weder ausschlingen noch einschlingen können. Gleichwie etwa ein Mann, dem ein eiserner Ring um den Hals gelegt ist, nicht ausschlingen kann und nicht einschlingen, ebenso nun auch, o Königsohn, wird der Asket Gotamo auf diese doppeldeutige Frage weder ausschlingen noch einschlingen können.‹«

Während dieses Gespräches nun hatte Abhayo der Königsohn einen zarten Knaben, einen unvernünftigen Säugling auf dem Schooße sitzen. Da sprach nun der Erhabene zu Abhayo dem Königsohn also:

{395} »Was meinst du wohl, Königsohn: wenn dieser Knabe infolge deiner Nachlässigkeit oder der Nachlässigkeit seiner Amme ein Holzstück oder einen Scherben in den Mund nähme, was würdest du mit ihm machen?«

»Ich würd’ es ihm wegnehmen, o Herr! Wenn ich es, o Herr, nicht gleich von Anfang an wegnehmen könnte, so würd’ ich mit der linken Hand seinen Kopf halten und mit der rechten einen Finger krümmen und es ihm, selbst blutig, herausziehen. Und warum das? Weil mich, o Herr, der Knabe erbarmt.«

»Ebenso nun auch, Königsohn, kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete auch solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag da der Vollendete die Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Es kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der Vollendete solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der Vollendete auch solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag da der Vollendete die Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Und warum das? Weil, Königsohn, den Vollendeten die Wesen erbarmen.«

»Wenn da, o Herr, gelehrte Fürsten und gelehrte Priester, gelehrte Bürger und gelehrte Asketen eine Frage zusammenstellen und den Vollendeten aufsuchen und sie vorlegen, hat da wohl, o Herr, der Erhabene schon vorher im Geiste daran gedacht: ›Wer mich aufsuchen und befragen wird, dem werd’ ich auf solche Frage solche Antwort geben‹; oder kommt es eben erst im Augenblick dem Vollendeten in den Sinn?«

»Da will ich dir nun, Königsohn, eben hierüber eine Frage stellen: wie’s dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Königsohn: sind dir die Theile und Stücke des Wagens genau bekannt?«