»Gleichwie etwa, Rāhulo, wenn ein Königselephant, mit Doppelhauern, zum Angriff geeignet, zum Kampf erzogen, in den Kampf gerathen mit den Vorderfüßen sein Werk verrichtet und mit den Hinterfüßen sein Werk verrichtet, mit dem Vorderleibe sein Werk verrichtet und mit dem Hinterleibe sein Werk verrichtet, mit dem Kopfe sein Werk verrichtet, mit den Ohren sein Werk verrichtet, mit den Hauern sein Werk verrichtet, mit dem Schwanze sein Werk verrichtet {415} und nur den Rüssel zurückhält; da weiß der Elephantenlenker: ›Nicht hat der Königselephant das Leben preisgegeben.‹ Wenn aber, Rāhulo, ein Königselephant, mit Doppelhauern, zum Angriff geeignet, zum Kampf erzogen, in den Kampf gerathen mit den Vorderfüßen sein Werk verrichtet und mit den Hinterfüßen sein Werk verrichtet, mit dem Vorderleibe sein Werk verrichtet und mit dem Hinterleibe sein Werk verrichtet, mit dem Kopfe sein Werk verrichtet, mit den Ohren sein Werk verrichtet, mit den Hauern sein Werk verrichtet, mit dem Schwanze sein Werk verrichtet und mit dem Rüssel sein Werk verrichtet; da weiß der Elephantenlenker: ›Preisgegeben hat der Königselephant das Leben, alles ist jetzt der Königselephant imstande zu thun.‹ Ebenso nun auch, Rāhulo, sag’ ich, dass wer sich da vor bewusster Lüge nicht scheut alles Böse zu thun imstande ist. Darum merke dir, Rāhulo: ›Nicht einmal im Scherze will ich Lüge reden‹: also hast du dich, Rāhulo, wohl zu üben.
»Was meinst du wohl, Rāhulo: wozu taugt ein Spiegel?«
»Um sich zu betrachten, o Herr!«
»Ebenso nun auch soll man sich, Rāhulo, betrachten und betrachten bevor man Thaten begeht, betrachten und betrachten bevor man Worte spricht, betrachten und betrachten bevor man Gedanken hegt.
»Was immer du, Rāhulo, für eine That begehn willst, eben diese That sollst du dir betrachten: ›Wie, wenn diese That, die ich da begehn will, mich selber beschwerte, oder andere beschwerte, oder alle beide beschwerte? Das wär’ eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet.‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehn will, die kann mich selber beschweren, kann andere beschweren, kann alle beide beschweren: es ist eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige That sicherlich zu lassen. {416} Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehn will, die kann weder mich beschweren, noch kann sie andere beschweren, kann keinen von beiden beschweren: es ist eine heilsame That, die Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige That zu thun.
»Und während du, Rāhulo, eine That begehst, sollst du dir eben diese That betrachten: ›Weil ich nun diese That begehe, beschwert sie mich da selber, oder beschwert sie etwa andere, oder beschwert sie alle beide? Ist es eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehe, die beschwert mich selber, oder sie beschwert andere, oder beschwert alle beide: es ist eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einer derartigen That Einhalt zu thun. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begehe, die beschwert weder mich selber, noch beschwert sie andere, beschwert keinen von beiden: es ist eine heilsame That, die Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige That zu fördern.
»Und hast du, Rāhulo, eine That begangen, so sollst du dir eben diese That betrachten: ›Weil ich nun diese That begangen habe, beschwert sie mich da selber, oder beschwert sie etwa andere, oder beschwert sie alle beide? Ist es eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begangen habe, die beschwert mich selber, oder sie beschwert andere, oder beschwert alle beide: es ist eine unheilsame That, die Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eine derartige That dem Meister oder erfahrenen Ordensbrüdern anzugeben, aufzudecken, darzulegen; und hast du sie angegeben, aufgedeckt, dargelegt, dich künftighin zu hüten. {417} Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Diese That, die ich da begangen habe, die beschwert weder mich selber, noch beschwert sie andere, beschwert keinen von beiden: es ist eine heilsame That, die Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eben diese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.
»Was immer du, Rāhulo, für ein Wort sprechen willst, eben dieses Wort sollst du dir betrachten: ›Wie, wenn dieses Wort, das ich da sprechen will, mich selber beschwerte, oder andere beschwerte, oder alle beide beschwerte? Das wär’ ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet.‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da sprechen will, das kann mich selber beschweren, kann andere beschweren, kann alle beide beschweren: es ist ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, ein derartiges Wort sicherlich zu lassen. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da sprechen will, das kann weder mich beschweren, noch kann es andere beschweren, kann keinen von beiden beschweren: es ist ein heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, ein derartiges Wort zu sprechen.
»Und während du, Rāhulo, ein Wort sprichst, sollst du dir eben dieses Wort betrachten: ›Weil ich nun dieses Wort spreche, beschwert es mich da selber, oder beschwert es etwa andere, oder beschwert es alle beide? Ist es ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da spreche, das beschwert mich selber, oder es beschwert andere, oder beschwert alle beide: es ist ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, einem derartigen Worte Einhalt zu thun. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da spreche, das beschwert weder mich selber, noch beschwert es andere, beschwert keinen von beiden: {418} es ist ein heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, ein derartiges Wort zu fördern.
»Und hast du, Rāhulo, ein Wort gesprochen, so sollst du dir eben dieses Wort betrachten: ›Weil ich nun dieses Wort gesprochen habe, beschwert es mich da selber, oder beschwert es etwa andere, oder beschwert es alle beide? Ist es ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet?‹ Wenn du, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da gesprochen habe, das beschwert mich selber, oder es beschwert andere, oder beschwert alle beide: es ist ein unheilsames Wort, das Leiden aufzieht, Leiden züchtet‹, so hast du, Rāhulo, ein derartiges Wort dem Meister oder erfahrenen Ordensbrüdern anzugeben, aufzudecken, darzulegen; und hast du es angegeben, aufgedeckt, dargelegt, dich künftighin zu hüten. Wenn du aber, Rāhulo, bei der Betrachtung merkst: ›Dieses Wort, das ich da gesprochen habe, das beschwert weder mich selber, noch beschwert es andere, beschwert keinen von beiden: es ist ein heilsames Wort, das Wohl aufzieht, Wohl züchtet‹, so hast du, Rāhulo, eben diese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu pflegen.