Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 317. Mangyanmann von Bulalakao (Mindoro)

auf der Brautsuche.

Über das soziale Leben der Negrito ist herzlich wenig bekannt. Um die bösen Mächte von der Schwangeren fernzuhalten, wendet man auch hier Abwehrmaßregeln an. Besonders gefürchtet ist der Dämon Patianak, der Mutter und Kind zu töten trachtet, wenn erstere gerade in schweren Wehen liegt. Dann verschließt der Mann sorgfältig die Hütte, zündet ein großes Feuer an, legt seine wenigen Kleidungsstücke ab und schwingt den Kampilan, bis seine Frau entbunden ist. — Weder die Geburt eines Kindes noch seine Namenverleihung bieten Anlaß zu einem besonderen Fest. In den meisten Fällen bekommt das Neugeborene einen Namen, den für gewöhnlich die älteren Männer der Gemeinde, nicht die Eltern, aussuchen, und der meistens auf irgendeinen in der Nähe der Geburtstätte befindlichen, in die Augen fallenden Gegenstand, oder auch auf irgendein Ereignis oder eine Eigenschaft Bezug hat, sogleich am Tage seiner Geburt. Es wird nur ein Name gegeben, und kein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Namen gemacht. Wird ein Kind kränklich, dann vertauscht man seinen Namen, weil man annimmt, daß der Geist, der die Stelle bewohnt, wo das Kind das Licht der Welt erblickte, mit dessen Namen nicht zufrieden ist. Würde man diesen Versuch, den Geist zu versöhnen, nicht anstellen, dann könnte das Kind sterben.

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 318. Weib der Kalinga, eines Igorrotenstammes,

in Festtracht.

Die Heiraten werden gewöhnlich von den Eltern abgeschlossen, doch wird den Mädchen auch eine gewisse Freiheit in der Auswahl ihres Zukünftigen gewährt. Es herrscht auch der Brauch, die Bräute zwischen Familien auszutauschen; Bruder und Schwester aus einer Familie heiraten Schwester und Bruder aus einer anderen, wodurch die Unkosten der Hochzeit vermindert werden. Hin und wieder werden Kinder miteinander verlobt. Der Schwiegersohn gibt dem Vater der Braut ein kleines Geschenk; von eigentlichem Kauf kann man indessen nicht gut sprechen, zumal dieser der Tochter eine Anzahl Sachen mit in die Ehe gibt, die ihm aber als Eigentum verbleiben. Eine eigentliche Hochzeitszeremonie, wenigstens in großem Stile, gibt es bei den Negrito nicht; aber ein Festgelage mit sich daran anschließendem Tanz ([Abb. 315] und [316]) wird für gewöhnlich doch abgehalten. In manchen Gegenden setzen sich Mann und Frau, die die Ehe eingehen wollen, mitten in den Kreis ihrer Verwandten und füttern sich gegenseitig aus einer gemeinsamen Schüssel; außerdem verrichten sie, wenn die Zuschauer diese Handlung beifällig aufgenommen haben, noch irgendeine gemeinsame Dienstleistung, um dadurch zu bekunden, daß sie in ihrem zukünftigen Ehestande gemeinsam arbeiten wollen. Die nächsten Tage verbringen die jungen Eheleute im Hause der Eltern der Frau, darauf kehren sie in ihr eigenes Heim ein. Ihre Rückkehr wird mit weiteren Geschenken an die Braut, mit Tanz und Gelage gefeiert, je nach den Mitteln des jungen Ehemannes. Diese bestimmen auch die Anzahl der Frauen, die er sich hält. — Auf Keuschheit vor der Ehe wird strenge gehalten und Zuwiderhandeln bei beiden Teilen aufs empfindlichste, selbst mit dem Tode bestraft. Wenn ein Mann ein Mädchen schwängert, wird er, selbst wenn er sie heiratet, auch noch streng bestraft. Ehebruch kommt äußerst selten vor und wird für gewöhnlich ebenfalls mit dem Tode geahndet, reiche Leute können auch in Geldbuße genommen werden. Scheidung aber kommt häufig vor; wenn Mann und Frau und die beiderseitigen Familien darin einwilligen, so wird der Besitz gleichmäßig unter beide Teile geteilt, die Kinder aber bekommt die Frau.