Beim Tode eines Moï begeben sich sämtliche Dorfinsassen auf den Ruf eines Gongs in das Haus des Verstorbenen; die Leiche wird mit allem Schmuck, den der Tote besaß, aufgebahrt und mit einem Tuche bedeckt. Am anderen Morgen wird im Walde ein großer Baum ausgesucht und zum Sarg ausgehöhlt ([Abbildung 467]). Während seiner Anfertigung bleiben die trauernden Freunde und Nachbarn im Hause des Toten und werden auf Kosten der Familie mit Essen und Trinken bewirtet. Drei bis vier Männer halten Leichenwache und fächeln die Fliegen mit Wedeln vom Toten ab. In den mit Malereien verzierten Sarg werden neben den Toten allerlei kleinere Gegenstände, die ihm gehörten, gelegt. Er wird sodann in der Erde beigesetzt. In der Gruft werden unter dem Sarg am Kopfende ein Korb mit Reis und ein Krug mit Reiswein, darüber eine Bambus- und Blätterschicht gelegt und daneben zwei Bambusrohre senkrecht aufgestellt, die bis über die Erdoberfläche hinausreichen und zur Aufnahme von Speise und Trank dienen, die man täglich der Seele des Toten spendet. Um das zugeschüttete Grab wird noch ein etwa ein Meter breiter und zwei Meter tiefer Graben kreisförmig herumgezogen; die dabei ausgeworfene Erde wird zu einem mächtigen Grabhügel von zwei bis zweieinhalb Meter Höhe aufgetürmt, aus dem die Speiseröhren hervorragen. Später errichtet man über dem Grabhügel auf einer Stange eine Miniaturhütte (ähnlich unserem Taubenschlag) und legt in sie etwas zu essen hinein. Um die Seele des Verstorbenen aufzunehmen, die sonst ins Dorf zurückkehren und seine Bewohner belästigen würde, läßt man zum Schluß noch ein lebendiges Huhn frei. — Die südlichen Jarai umgeben ihre Gräber mit einem rechtwinkligen Palisadenzaun aus dicken Bambusstäben, und setzen an die vier Ecken je einen mächtigen Pfosten, der oben in eine geschnitzte große Trauermaske mit zwei Elefantenzähnen endigt ([Abb. 468]). Die Gräber von Häuptlingen werden mit einem hohen schmalen Dach aus geflochtenem Bambus bedeckt, das bei den nördlichen Jarai oft die Höhe von fünf Metern erreicht und mit seltsamen Verzierungen in Kreide und rotem Lehm bedeckt wird. Den Nächststehenden des Verstorbenen ist es verboten, während der Monate bis zum Abschluß der Trauer irgend einem Geschäfte nachzugehen. Bei dem Radestamm stellen die geschnitzten Grabpfosten trauernde Frauen in hockender Stellung dar ([Abb. 469]).

Phot. Henri Maitre.

Abb. 468. Gräber der südlichen Jarai.

Phot. L. de Lajouquire.

Abb. 469. Häuptlingsgräber bei dem Radestamm.

Phot. Charles Hose.