Abb. 472. Zweiundzwanzigjährige Chinesin.

Der Chinese kleidet sich in unten zusammengeschnürte Beinkleider und ein langes, rockartiges Obergewand, das je nach der Jahreszeit von verschiedener Dicke (im Winter wattiert) ist, eventuell durch Überziehen weiterer Gewänder verstärkt wird ([Abb. 471] und [473]). Auch die kleinen Kinder packt man bereits in stark wattierte Kleider ein, so daß sie beinahe ebenso breit wie lang aussehen und, wenn sie einmal hingefallen sind, ohne Hilfe nicht aufzustehen vermögen, sondern wie ein Häuflein Unglück liegen bleiben. — Die chinesische Kleidung hat den Nachteil, daß sie ein schnelles Vorwärtsschreiten nicht gestattet. Da außerdem der Chinese sehr bequem ist, zumal er mit dem Alter auch recht behäbig wird, so ziehen es wohlhabendere Leute vor, sich entweder auf einem Karren (Nordchina) ziehen oder in einer Sänfte (Südchina) tragen zu lassen. Für jeden Rang der Zivil- und Militärbehörden sind besondere Abzeichen Vorschrift. Unterschiede in der Stickerei vorn oder hinten auf der Jacke oder am Rock sowie in der Farbe des Knopfes oben auf dem Hut deuten die Rangabzeichen an, die niemand tragen darf, der diesen Rang nicht einnimmt. Personen der höchsten Rangstufe tragen einen Korallenknopf, die hinter ihnen im Range folgenden einen blauen, die der dritten Stufe einen solchen aus Kristall und die der vierten einen einfachen aus Messing. Die Farbe der Sänfte bezeichnet in gleicher Weise den Stand ihres Besitzers; die höchsten Vertreter dürfen sich eines Tragstuhles aus grünen Bambusstäben, die der nächstniederen Klasse eines aus blau gefärbten und die der dritten Rangklasse nur aus Naturholz bedienen. Neben dem Hut wird von allen Chinesen noch eine aus Roßhaar geflochtene Mütze mit einer roten Seidentroddel getragen; gegen die Kälte legen beide Geschlechter Ohrenklappen an oder setzen eine pelzverbrämte Kappe auf. Für vornehm gelten lange Fingernägel, weil ihr Träger dadurch kundgibt, daß er keine Arbeit verrichtet; um sie zu schützen, bedient man sich futteralähnlicher Hülsen ([Abb. 473]).

Wir können uns einen Chinesen kaum ohne Zopf vorstellen, und doch ist dieser „Schweineschwanz“ keineswegs eine althergebrachte Eigentümlichkeit des chinesischen Volkes, wie man immer glaubt, sondern eine von auswärts eingeführte Mode, welche die im Jahre 1368 siegreich einziehenden Mandschu, beziehungsweise ihre Fürsten dem Volke aufzwangen. Jedoch ist diese Neuerung in China niemals heimisch geworden, denn mit dem Sturze der Mandschudynastie, die vor wenigen Jahren erfolgte, gaben viele Chinesen trotz jahrhundertelangen Bestehens diese Sitte wieder auf.

Phot. Fleet Agency.

Abb. 473. Ein vornehmer Chinese

mit langen Nägeln, die von denen, die es erschwingen können, durch silberne Hülsen geschützt werden.

Phot. Charles Hose.

Abb. 474. Einschnüren eines chinesischen Frauenfußes.