Einer großen Verbreitung erfreut sich noch der Aberglaube, daß man jemand durch Zauber mit einer Haarlocke, einem Fetzen Zeug oder einem Speiserest von einer Person Unglück zufügen könne. Auch Wahrsagerei wird noch viel betrieben, ebenso wird noch an Gottesurteile geglaubt. Auf Samoa zum Beispiel sucht man bei einem Diebstahl den Täter in der Weise zu bekommen, daß man alle Beteiligten um eine Schüssel mit Kava versammelt, in der ein kleiner geknoteter Faden schwimmt, und aufpaßt, in wessen Trinkschale beim Verteilen sich der verräterische Faden zeigt.
Phot. J. J. Lister.
Abb. 41. Tonganerwitwe am Grabe ihres Gatten.
In der Regel hegen die Polynesier mit großer Sorgfalt die Gräber ihrer Toten. Die Witwe auf diesem Bilde gießt Öl auf die letzte Ruhestätte ihres Gatten.
Die primitive Methode des Kochens, wie sie in Polynesien und Mikronesien üblich ist, bietet viel des Interessanten. Man kocht oder vielmehr röstet die Speisen in heißer Asche eines offenen Feuers. Zu diesem Zwecke wird in den Erdboden eine Grube oder Furche in gewünschter Größe ausgehoben, mit Brennholz angefüllt, darauf eine Anzahl Steine gelegt und das Holz angezündet. Sobald dieses niedergebrannt ist, und die Steine glühend rot geworden sind, wird die Grube von Asche und Kohlen gereinigt, und auf die noch glühend heißen Steine kommen die Gerichte, die gar werden sollen, zu liegen, alle in aromatische Blätter gewickelt. Darüber werden Erde und Matten gedeckt, um die Hitze an dem Entweichen zu verhindern ([Abb. 42]). Für gewöhnlich, doch nicht überall, gießt man noch Wasser auf die Blattpakete, bevor der Ofen geschlossen wird; man kocht dann mittels Dampf. Nach Ablauf einer gewissen Zeit, etwa einer Stunde oder noch mehr, je nach der Größe des Ofens und der Menge der Speisen, wird letzterer wieder aufgedeckt, und Fleisch und Gemüse sind bei dieser Behandlung völlig gar gekocht. Auf Neuseeland, wo noch Vulkane, im besonderen sogenannte Geiser in Tätigkeit sind, bietet die Natur den Menschen eine viel bequemere Kochmethode dar, nämlich heiße Quellen ([Abb. 43]), die in ihrer Temperatur zwischen kochend und warm abwechseln. Der Maori braucht seine Speisen, die er gar haben will, nur in einem Netz in eine solche kochende Quelle oder in den daraus ausströmenden Dampf zu halten, und die Natur besorgt in kurzer Zeit das weitere. Nebenbei werden diese Quellen auch noch allgemein zum Baden benutzt.
Phot. Josiah Martin.
Abb. 42. Kochen in Erdöfen auf Neuseeland.
Die auf den glühend heißen Steinen gar gekochten Speisen sind außerordentlich schmackhaft.