GRÖSSERES BILD

Phot. Josiah Martin.

Abb. 58. Vorbereitungen zu einem Festschmaus,

bei dem Schweine den Hauptbestandteil bilden.

Phot. Josiah Martin.

Abb. 59. Reinigungszeremonie auf Fidschi.

Drei Tage nach der Hochzeit wurde früher die Braut, die von hohem Rang war, auf einem neuen Boot nach dem Fluß gebracht und auf diesem ein kurzes Stück entlang gerudert, damit sie von dem durch ihre Heirat aufgeladenen Tabu befreit würde.

Trotzdem die Fidschianer dem Namen nach Christen sind, hat sich unter ihnen manches aus ihrer ursprünglichen Religion, deren Kern Ahnenkultus und Seelenwanderung bildeten, bis in die heutige Zeit hinein erhalten. Nach diesem Glauben hatte die Seele des Verstorbenen vielerlei Abenteuer auf ihrer Wanderung westwärts zum Himmel zu bestehen. So hatte sie mancherlei Mühsale durchzumachen, zur Prüfung, ob der Verstorbene ein tapferer Mann oder ein Feigling gewesen ist und ob er eines gewaltsamen Todes starb oder nicht, denn nur die Mutigen und die im Kampfe Gefallenen oder Erdrosselten vermochten sich zu dem Berge, der ihr Paradies bedeutete, durchzuarbeiten. Schreckliche Ungeheuer lagen auf der Lauer, um den Wanderer mit Steinen oder einer Axt zu erschlagen, mit einem Rohr aufzuspießen und dergleichen. War er ein Feigling gewesen, dann wurde er von zwei weiblichen Teufeln mit großen Zähnen gejagt und vermochte nicht über das Netz zu springen, das zwei andere übernatürliche Wesen für die Schatten ausgespannt hatten. War einer unnatürlichen Todes gestorben, dann konnte er auf die Erde zurückgeschickt werden, um seine Vergehen zu sühnen, aber machte er alle Prüfungen durch, so erreichte er doch den Fluß der Vergessenheit, der alle Traurigkeit und allen Schmerz über die Trennung von den Angehörigen von ihm nahm. Der Schatten fand auf seiner Wanderung auch mehrfach Gelegenheit zu erfahren, ob seine Frau ihm im Tode nachfolgen würde, wie es die gute Sitte erforderte, indem sie sich bei seinem Begräbnis erdrosseln ließ, oder nicht. Sehr ansprechend nach unserem Empfinden war die Auffassung von einem großen Baume, der den Weg, den die Seele des Verstorbenen nahm, an einer bestimmten Stelle beschattete und an dessen Zweigen die Seelen kleiner Kinder hingen, die vor ihren Eltern gestorben waren und hier auf ihre Väter und Mütter warteten. Sobald die Mutter einem solchen Seelchen sich näherte, stieg es herab und ging mit ihr zu den Gefilden der Seligen. All dieser und ähnlicher Glaube gehört jetzt der Vergangenheit an; was von ihm übrig geblieben ist, sind einige geringfügige abergläubische Vorstellungen und ein paar Zeremonien, von denen vielleicht der Feuerlauf bei einem Stamme auf der Insel Beqa der interessanteste sein dürfte. Ein flacher, etwa dreißig Fuß breiter Graben wird abwechselnd mit einer Lage Holz und Steinen belegt und das Holz darauf angezündet; nachdem es ungefähr zwölf Stunden lang gebrannt hat, werden die Aschenreste weggekehrt und die glühend heißen Steine ausgebreitet. Zwölf bis vierzehn Männer treten nun hervor und wandeln langsam auf den Steinen herum und über den Graben; eine volle Minute halten sie sich in ihm auf ([Abb. 60], [61] und [farbige Kunstbeilage]). Wenn diese Prozedur vorüber ist, werden Blätter und Gemüse auf die noch heißen Steine gelegt und zu einem Schmaus gekocht, mit dem die Festlichkeit ihren Abschluß findet. Gebratene Schweine bilden bei solchen Schmausereien den Hauptbestandteil ([Abb. 58]). Wie ein Naturforscher, der im Jahre 1904 den ganzen Vorgang zu beobachten Gelegenheit hatte, sich überzeugte, verkohlte ein Taschentuch, das er auf einen dieser Steine legte, innerhalb weniger Sekunden, und ein Thermometer, das er über der Grube aufhing, zeigte hundertunddreißig Grad Celsius. Der Beobachter prüfte auch die Beine und Füße der Betreffenden, sowohl vor wie nach der Zeremonie, und stellte fest, daß sie mit keinem Präparat eingerieben waren; trotz der mächtigen Hitze wurden nicht einmal die Haare an ihren Beinen versengt. Dieses Kunststück dürfte zum Teil aus der Gewohnheit der Leute zu erklären sein, auf den heißen Steinen am Strande zu gehen.