Eine eigenartige Form des Kannibalismus ist die Kopfjägerei, eine Unsitte, der die Bewohner in den nördlichen Teilen Neuguineas noch heute huldigen. Die Gründe hierfür sind einmal religiöser Natur; der erbeutete Schädel soll ein Opfer bedeuten, zum Beispiel für glückliche Vollendung eines Haus- oder Kanubaues. Oder es liegt ihr Eitelkeit des jungen Mannes zugrunde, der Wunsch, in den Augen seiner Schönen Anerkennung und Entgegenkommen zu finden; denn je mehr Schädel von ihm erbeutet werden, um so höher steht der Kopfjäger im Ansehen. Daher werden die Opfer zumeist aus ganz geringfügigem Anlaß angegriffen oder hinterrücks überfallen; der erbeutete Schädel wird vom Rumpfe getrennt, ins Dorf mitgenommen und vor dem Hause auf einer Stange oder einem Speer aufgepflanzt.
Phot. C. M. Woodford.
Abb. 69. Verunstaltetes Ohr bei einem Salomoinsulaner mit eingelegtem Perlmuschelring.
Phot. J. W. Beattie, Hobart.
Abb. 70. Malailaeingeborener mit Nasen- und Ohrenschmuck.
Das Halsband besteht aus Cuscuszähnen, die am Wurzelende durchbohrt und einer nach dem andern an dünnen Schnüren befestigt werden. Nasenring, Ohr- und Brustschmuck sind aus der Tricadnamuschel hergestellt.
Aus „Kolonie und Heimat“.