Abb. 77. Mädchen von den Salomoinseln
in vollem Schmuck, mit rot gefärbtem Haar.
Zahlreicher sind jedoch die Gebräuche, die sich im engeren Kreise abspielen. In einer Gegend von Südost-Neuguinea hebt die junge Mutter ihr Kind beim ersten Vollmond nach der Geburt auf und zeigt es ihm, damit es daraufhin schnell wachse und bald sprechen lerne. Auf einer der Neuhebriden geht der Vater etwa zehn Tage nach der Geburt zum Strande und zerstreut auf dem Wege kleine Spielzeugbogen, wenn es sich bei dem Familienzuwachs um einen Knaben handelt, oder Stücke von Pandanusfasern, wenn es ein Mädchen war; mit dem ersteren ist der Wunsch verbunden, daß der Knabe ein kräftiger Bogenschütze werden möge, mit dem letzteren, daß das Mädchen späterhin stets ihrer Pflicht als Mattenflechterin, also als Hausfrau eingedenk sein möge. Auf einer anderen Insel bringen die Verwandten des Vaters der Mutter Speisen und Matten, sie legen solche nebst Bändern, mit denen Schweine angebunden werden, auf das Haupt des Kindes, was der Vater als Zeichen dafür hinnimmt, daß sie später einmal im Notfalle seinem Kinde helfen und es zu ernähren bereit sein werden. — In Kaiser-Wilhelms-Land legt die junge Mutter beim ersten Ausgang mit dem Kinde Holz und Grasbündel auf den Weg, damit die Geister ihm nichts anhaben können; muß sie über ein Wasser gehen, so werfen die Familienmitglieder aus dem gleichen Grunde Steine hinein, mit denen sich die Geister anstatt mit dem Kinde beschäftigen sollen. — Auf der Gazellehalbinsel bewegt eine Frau das Neugeborene durch den Rauch eines Feuers mit den Worten: „Zupfe deinen Bart und knirsche mit den Zähnen, schmücke deinen Hals und trage die Streitkeule, wenn du den Busch durchschreitest,“ sofern es ein Knabe ist, oder „bestelle die Pflanzung, gebäre Kinder, beiße die Lianen zum Aufreihen des Muschelgeldes zurecht, bringe das Getreide herbei und ziehe auf den Markt,“ wenn es sich um ein Mädchen handelt. Ein Zauberer streckt dabei seine Hand in den Rauch, nimmt etwas Asche zwischen die Finger und berührt damit Augen, Ohren, Schläfe, Nase und Mund des Kindes, um ihm dadurch gegen die bösen Geister Kraft zu verleihen. — In den mittleren Teilen Neupommerns versammeln sich die Männer des Dorfes im Klubhaus, jeder mit einem Baumzweig versehen. Sie brechen ein paar Zweige ab, die junge Schößlinge haben, und behalten sie in der Hand, während sie die übrigen Blätter verbrennen. Darauf spricht einer von ihnen einen Zauberspruch über ein Stück Ingwer, das sodann unter die übrigen verteilt wird. Die Männer zerkauen den Ingwer, speien ihn auf die Zweige aus und halten diese in den Rauch hinein. Merkwürdigerweise soll dieser Vorgang weniger dem Kinde, als vielmehr den Teilnehmern nützen, denn sie glauben, daß, wenn sie diese Zeremonie bei der Geburt eines Kindes nicht beobachten, sie selbst im Kriege feige sein, und ihre Waffen ihre Macht verlieren würden. Eine Frau der Kiriwina im Südosten von Neuguinea trägt nach der Geburt eine Zeitlang einen langen Grasmantel an Stelle des sonst üblichen kurzen Grasrockes ([Abb. 91]).
Phot. R. W. Williamson.
Abb. 78. Ein Klubhaus der Mekeo.
Die Einrichtung solcher Häuser ist in Melanesien allgemein. Sie bilden den Sammelplatz der Männer, namentlich die Junggesellen leben darin, und die Besucher aus anderen Dörfern finden dort gastliche Aufnahme.
Phot. R. W. Williamson.
Abb. 79. Das Klubbaus einer Mekeofamilie.