Abgesehen von den größeren Zeremonien, die oft wochenlang dauern, halten andere Stämme, wie zum Beispiel am Flyriver, häufig kleine Feste ab, die von der Dämmerung bis zum Morgengrauen währen. Tänze spielen auch hier die Hauptrolle, sie dauern die ganze Nacht und gemeinsamer Gesang der phantastisch herausgeputzten Eingeborenen begleitet ihr taktmäßiges Schlagen der Trommeln (siehe die [farbige Kunstbeilage]).
Phot. A. M. Fillodean.
Abb. 93. Mekeoweib, das ihr Kind in einem Netz mit sich schleppt.
Für gewöhnlich dient ein solches Netz, das vom Kopf über den Rücken herabhängt, zum Tragen von Früchten und Feuerholz.
Tänzer vom Flyrivergebiet in Festtracht.
Von den großen Zeremonien abgesehen, die manchmal wochenlang dauern, werden von den Eingeborenen dieses Gebiets häufig kleinere Feste abgehalten, die vom Abend bis zum Morgen andauern. Die ganze Nacht über ertönt der gemeinsame Gesang des Wilden zum Klang der Trommeln und zum Stampfen der Tänzer, während flackernde Feuer die phantastische Szene beleuchten.
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GRÖSSERES BILD
Auf den Inseln des Bismarckarchipels gibt es eine andere Form von Geheimgesellschaften, Ingiet genannt; an ihrer Spitze steht ein großer Zauberer, der den Ruf, mächtige Zauberkraft zu besitzen, genießt. Nach dem Aberglauben der Eingeborenen vermag dieser Zauberer die Geister zu beschwören, indem er Kalk verspritzt, Ingwer ißt und Zaubersprüche hersagt; er wird daher auch in Krankheitsfällen zu Rate gezogen. Ebenso wie der Duk-Duk-Bund besitzen die Ingietgesellschaften ihren geheimen Versammlungsort, dessen Betreten von seiten Uneingeweihter durch die Geister mit dem Tode geahndet wird. Der Platz ist umzäunt, und an einer Stelle der Umfriedigung werden roh in Stein gehauene oder aus Holz geschnitzte und bemalte Bildnisse aufbewahrt, welche menschliche Wesen, Schweine, Krokodile, Haifische, Vögel und andere Tiere darstellen. Da nur das Haupt der Ingietgemeinde diesen geheiligten Ort betreten darf, so müssen die Novizen bei ihrem ersten Erscheinen zuvor vor der Todesstrafe, die sonst die Folge unbefugten Eindringens sein würde, geschützt werden, indem sie Ingwer kauen, die Ingwerpflanze in den Händen halten und sich um den Hals legen. Der oberste des Bundes bemalt die neu Aufzunehmenden außerdem noch mit einem Zauberstoff, den er aus ausgekautem Ingwer und Kalk zusammengestellt hat und aus seinem Munde auf ihre Körper, desgleichen auf die Bildnisse an der geweihten Stätte bläst. Bei der sich daran anschließenden Einweihungsfeier hält der Häuptling den Stiel einer bestimmten Pflanze, der Einzuweihende deren Blätter in der Hand, dann zieht der erstere und streift auf diese Weise die Blätter unter Hersagen von Zaubersprüchen durch die Hand des Novizen. Damit ist die Einweihungsfeier vollzogen. — Mit den angeführten Gesellschaften ist indessen die Zahl der auf Melanesien vorhandenen Geheimbünde noch nicht erschöpft; es gibt noch eine Reihe anderer, von denen jeder seine eigenen Gebräuche bei der Einweihungsfeier der neu Aufzunehmenden und bei anderen festlichen Gelegenheiten besitzt. Eine dieser Geheimgesellschaften wollen wir indessen noch erwähnen, die bis vor kurzem auf einer der Torresstraßengruppe ihr Wesen trieb, da sie von der bisher beschriebenen Art stark abwich. Jeder Novize wurde während der Dauer der Zeremonie am ganzen Körper täglich mit Ruß angemalt; er wurde außerdem in ein Mattenzelt von der Form eines steilen Daches gesteckt, das an seinem Körper befestigt wurde und einen so geringen Umfang besaß, daß der Knabe, damit das Zelt auf die Erde reichte, eine sitzende Stellung einnehmen mußte. Einen vollen Monat hatten die neu Aufzunehmenden in der erstickenden Hitze und Dunkelheit eingezwängt auszuhalten. Sie durften weder spielen noch sprechen, weder ihre Väter noch ein weibliches Wesen sehen; sie wurden streng bewacht und mußten, obgleich sie allabendlich zu einem für sie besonders hergerichteten Hause geführt und morgens vor Sonnenaufgang wieder zurückgebracht wurden, ihre Zelte mit sich schleppen, so daß beim Gehen nur ihre Beine sichtbar blieben. Während ihrer Abgeschlossenheit wurden die Novizen in den Lehren und Gebräuchen ihres Stammes unterwiesen und über ihre moralischen Pflichten, sowie über den Umgang mit den Frauen aufgeklärt; im besonderen mußten sie gewisse Zauberformeln und Mittel kennen lernen, durch die sie die Zuneigung eines Mädchens gewinnen konnten. Eines dieser Mittel bestand darin, die Erde an bestimmten Stellen mit dem Speer zu bearbeiten und bei dessen Herausziehen den Namen des Mädchens auszurufen, ein anderes in der Bereitung einer besonderen „Mädchenmedizin“ durch Vermischung mit Tabak und ihrer Darreichung an die Geliebte, oder auch in dem Salben des ganzen Körpers mit dieser Medizin. Am Ende des Monats wurden die Trommeln geschlagen und die Zelte den Knaben abgenommen; sie wurden dann in der See gewaschen, mit Blättern abgerieben und mit der wirklichen „Mädchenmedizin“ gesalbt. Bei Einbruch der Nacht mußten sie alle zu einem freien Platze in der Nähe des Dorfes wandern, wo ihre Angehörigen auf sie warteten. Auf dem Hinweg wurde eine lange Matte vorangetragen, welche die Knaben verbarg. Nachdem die Aufgenommenen sich gelagert hatten, wurde die Matte entfernt und die Jünglinge zeigten sich nun den hocherfreuten Verwandten als Männer, nicht mehr als Knaben.