Alle eingeladenen Häuptlinge nehmen nach ihrer Ankunft auf der großen Verandaplattform des Gemeindehauses der Sippe, deren Häuptling die Zeremonie leitet, Platz. Dann betritt der alte Häuptling, mit dem Abzeichen seiner Würde bekleidet, das bei den Roro in einem auf der Brust ruhenden Schmuckstück aus dünnen Plättchen abgeschliffener Hauer des Ebers besteht (siehe [die farbige Kunstbeilage]), in Begleitung seines voraussichtlichen Nachfolgers die Plattform; er trägt dabei in der Hand einen Kürbis mit Kalkpaste ([Abb. 132]), die als Würze beim Betelkauen dient, und hält eine Ansprache an die anderen Amtsgenossen, in der er ihnen das Recht der Nachfolge, das der Vorgeschlagene besitzt, auseinandersetzt. Hierauf klappert er mit dem Kalkspatel an seinen Kürbis und reicht diesen seinem Nachfolger, der gleichfalls mit dem Spatel daran schlägt und dann den Kürbis wieder zurückgibt. Damit ist die Amtsverleihung vollzogen.
Phot. H. M. Dauncey.
Abb. 130. Inneres eines Klubhauses der Roro.
Bemerkenswert sind die beiden geschnitzten Pfosten mit Darstellungen eines Krokodils und eines menschlichen Kopfes.
Phot. Donald Mackay.
Abb. 131. Inneres eines Klubhauses auf Toripi mit Waffen, Masken, Zauberzeichen und Menschenschädeln.
In manchen Gegenden Melanesiens gibt es auch Erntefeste. Wenn in dem südöstlichen Gebiet von Neuguinea die Ernte eingebracht, und im besonderen die Yamswurzel im Yamshause geborgen ist, so bindet der Häuptling, der bereits schon Tage vorher unter Nahrungsbeschränkung gestanden hat, ein Stück präparierter Faser um einen Pfosten jedes Yamshauses; dadurch wird es tabu, das heißt es darf von niemand angefaßt werden ([Abb. 135]). Außerdem werden auf einer kleinen Plattform Armringe, einheimisches Geld und andere Schätze ausgelegt. Hieran schließen sich Schmaus und Tanz viele Tage lang ([Abbild. 133]). Weiterhin versammeln sich die Männer, gehen im Dorf umher, schreien, schlagen an die Pfähle der Häuser und werfen alles um, worin sie einen Geist verborgen vermuten. Damit endigt diese sonderbare Zeremonie, der offenbar der Gedanke zugrunde liegt, daß die Geister, nachdem sie an dem Feste teilgenommen, nämlich die Tänze mit angesehen, die Lieder gehört, sowie Yamswurzeln und die zur Schau gelegten Sachen angeboten erhalten haben, reich und gut versorgt seien und daher nunmehr vertrieben werden müßten, um kein Unheil anzurichten.