Bei den Papua westlich des Flyriver führen Männer, die aus dem Lande der Toten zurückgekehrte Geister darstellen sollen, vor den eingeborenen Frauen einen Tanz auf. Ihr Körper nebst dem Gesicht ist ganz mit Blättern bedeckt ([Abb. 148]), so daß sie nicht erkannt werden können. Die Frauen glauben, daß die Tänzer ihre verstorbenen Verwandten sind, und weinen während des Tanzes. — Auch Geister spielen in dem Glauben der Melanesier eine große Rolle. Sie glauben sich beinahe auf Schritt und Tritt von ihnen und ihren Einflüssen umgeben. Man meint, daß sie bestimmte Orte oder Bezirke, auch Gegenstände, wie Felsen, Bäume, Quellen, Wasserlöcher bewohnen, die Gestalt von gewissen Tieren, wie Schlangen, Sternfischen, Krabben und dergleichen, annehmen können und innerhalb ihres Bereiches ihre Macht ausüben. Wird zum Beispiel ein Mitglied einer im Freien lagernden Gruppe von irgend einer Krankheit oder dem Tod befallen, bekommt es durch den Biß eines Insektes Wunden oder Geschwüre, erfährt es überhaupt eine Widerwärtigkeit, dann schreibt man dieses Ereignis dem Werke eines Geistes der betreffenden Stelle, wo der Verunglückte sich gerade aufhielt, zu. Man fürchtet sich daher vor diesem Orte und meidet ihn beim nächsten Male. Gegen solche Zufälle sucht man sich durch Zauber zu schützen, beziehungsweise ihnen vorzubeugen. In der Nähe von Port Moresby zum Beispiel liegt ein seltsam geformter Hügel, der für den Sitz eines Geistes gilt und daher nicht betreten wird; mit einem Knüttel oder einem Holz von einem Baume seiner Umgebung könnte man einem anderen schwere Wunden beibringen. Tötet jemand in der Umgebung dieses Hügels auf der Jagd ein Wallaby, so achtet er sorgfältig darauf, daß kein Tropfen Blut auf die Erde fällt. Sollte dies unglücklicherweise doch geschehen, so wird das Stück Erde behutsam fortgenommen und in den Fluß geworfen; denn sonst würden die Menschen, die von dem Tiere essen, erkranken. Wollen Menschen aus einem bestimmten Wasserloch trinken, das von einem Geiste bewohnt wird, so müssen sie erst in das kegelförmig zusammengerollte Blatt, mit dem sie schöpfen, ein Loch machen, damit der Geist herausfalle. Täten sie dieses nicht, dann würde er in den Menschen, der das Wasser trinkt, einziehen und ihn zum Anschwellen und Sterben bringen. Bisweilen nimmt auch ein böser Geist von dem Seelenich eines Mannes Besitz. Wenn zum Beispiel jemand auf seiner Rückkehr aus dem Busch das Fieber mit dem es begleitenden Schüttelfrost bekommt, so nimmt man an, er sei gefallen und ein Geist habe sein Seelenich mitgenommen. Es ist dann eine besondere Zeremonie nötig, um den Geist zu veranlassen, daß er wieder herausgeht. Wertvolle Zieraten werden an ein langes Bambusrohr gebunden, und der Kranke sowie seine Freunde gehen an die Stelle zurück, von der er glaubt, daß er dort hingefallen sei und die Besinnung verloren habe; zwei andere Männer bringen das Rohr mit. Jetzt stellen sie einen Topf auf die Erde, füllen ihn mit einer besonderen Grasart und einem brennenden Feuerstock und halten das Bambusrohr in horizontaler Lage darüber. Während das Gras knisternd brennt und die Männer den Topf umstehen, jeder mit einem Steine in der Hand, schlagen sie mit diesem auf den Topf und zertrümmern ihn unter Stöhnen. Dann kehrt die Gesellschaft mit ihrem Bambus in das Dorf zurück, aber niemand darf sich dabei umsehen. Zu Hause angekommen legt sich der Kranke nieder, der Bambusstock wird über seinem Lager aufgehängt. Es scheint dabei der Aberglaube zu bestehen, daß der Geist die Seelen der Ziergegenstände, die an dem Bambusstock befestigt sind, als Ersatz für die Seele des kranken Mannes hinnehme und daß daraufhin sich dieser wieder erhole.

Zauberei und Magie nehmen einen großen Platz in den abergläubischen Vorstellungen der Melanesier ein. So verwenden die Wahrsager auf den Inseln der Torresstraße eigens dazu präparierte Menschenschädel ([Abb. 149] und [150]). Wir haben bereits mehrfach diese beiden Punkte berührt. Der Zauberer, der seine geheimnisvolle Kraft ausübt, tut dies mit Hilfe eines Geistes, und zwar vermöge des Mana, das dieser ihm verliehen hat. Solche Fähigkeiten werden von ihren Inhabern wieder auf andere vererbt, indem diese von ihnen darin eingeweiht werden. Jegliche Krankheit, die nicht gerade eine gewöhnliche ist, also im natürlichen Verlaufe des Lebens vorkommt und dann auch als eine solche aufgefaßt wird, gilt ihnen als das Werk eines Geistes oder einer Ahnenseele. Die Wesen jedoch, denen für gewöhnlich die Verursachung von Krankheiten zugeschrieben werden, sind Seelen, die entweder beleidigt wurden, oder die um ihre verderbliche Hilfe von den mit ihnen verbundenen Menschen durch Opfer und Zaubersprüche angegangen wurden, oder die aus reiner Bosheit gegen die Lebenden so handeln. Der gewöhnliche Glaube geht dahin, daß der Geist den Menschen dabei auffrißt. Oft muß zunächst erst die Seele oder der Geist ausfindig gemacht werden, welche die Krankheit hervorgerufen haben; hat sich zum Beispiel herausgestellt, daß der Kranke verbotenerweise einen geweihten Ort betrat, dann liegt die Annahme nahe, daß der Geist dieses Ortes seine Krankheit herbeigeführt haben muß. In diesem Falle wird der Vertraute dieses Geistes geholt, der daraufhin eine Zeremonie mit dem Kranken vornimmt — so kaut er auf Florida (Salomoinseln) Ingwer und bläst ihn in das Ohr des Patienten — und den Geist bittet, die Krankheit zu beseitigen. Wird der Kranke nicht gesund, dann versucht man es mit einem anderen, möglicherweise beleidigten Geist auf die gleiche Art. Kann man das betreffende überirdische Wesen überhaupt nicht feststellen, so wendet sich jemand, der mit einem mächtigen Geist vertraut ist, an diesen und bittet ihn um Vermittlung bei dem beleidigten Geist, wobei ohne weiteres vorausgesetzt wird, daß jener diesen kenne. In manchen Fällen vermutet man auch, daß irgend ein Mensch, der dem Kranken übel will, seinen eigenen ihm vertrauten Geist angerufen und dazu gebracht hat, die Krankheit zu verursachen; dann bemüht man sich, einen mit einem noch mächtigeren Geist verbundenen Menschen zu veranlassen, daß er aus Mitgefühl den verzehrenden Geist abrufe. Weigert er sich, dies zu tun, dann bleibt immer noch die Möglichkeit, seine Zuflucht zu einem zu nehmen, der zu einem noch mächtigeren Geiste Beziehungen unterhält, damit der den anderen austreibe. Der Ausgang, ob Genesung oder Tod, beeinflußt dann die öffentliche Meinung über die relative Macht der verschiedenen Seelen oder Geister.

Phot. A. C. Haddon.

Abb. 149. Präparierter und verzierter Schädel zum Wahrsagen auf den Inseln der Torresstraße.

Wer seine Wirksamkeit in Anspruch nehmen will, legt ihn nachts neben seinen Kopf; im Traume wird ihm die Wahrheit kund.

Phot. A. C. Haddon.

Abb. 150. Präparierter und verzierter Schädel zum Wahrsagen auf den Inseln der Torresstraße.