In manchen Gegenden Melanesiens gibt es verschiedene Methoden, um Krankheit oder Tod herbeizuführen, aber allen liegt doch der Gedanke zugrunde, daß das Opfer mit dem Geist in irgend einer Weise in Verbindung gebracht werden muß, der ihm schaden soll. Für gewöhnlich macht man es so. Man nimmt etwas vom Körper des ausersehenen Opfers ([Abb. 152] und [153]), zum Beispiel ein Haar, ein Stück Fingernagel oder etwas, was sonst mit ihm eng verbunden war, sagen wir ein Überbleibsel seiner Mahlzeit, die er kürzlich eingenommen hat, oder ein Blatt, mit dem er sich den Schweiß von der Stirn trocknete, und leitet darauf die böse Zauberkraft eines Knochens von einem Toten, dessen Seele die ausübende Kraft ist, oder eines Steines, der Mana besitzt, um Unheil anzurichten, oder irgend eines anderen derartigen Gegenstandes. Oder man wirft den betreffenden Gegenstand auch auf eine geweihte Stätte, die der Geist bewohnt. Dadurch soll dessen Träger krank werden oder sonst ein Unglück erleiden. Das Opfer erfährt bald davon durch einen Dritten, daß es verzaubert worden ist, und die Einbildung, daß ihm ein Unheil, zumeist der Tod bevorstehe, wirkt so mächtig auf sein Gemüt ein, daß es tatsächlich krank und von Tag zu Tag hinfälliger wird. Die Angehörigen wenden sich nun an einen Zauberer, der daraufhin den fremden Geist mit Hilfe des ihm vertrauten zu bestimmen versucht, daß er von seinem Opfer abläßt. Um solchem Unheil vorzubeugen, ist es daher allgemein Brauch bei diesen Leuten, daß sie etwaige Gegenstände, die für diese Zwecke Verwendung finden könnten, sorgfältig verstecken, damit sie nicht einem Übelwollenden in die Hände fallen. Ein anderes Vorgehen zur Abwendung eines Zaubers wurde in einer Gegend von Deutsch-Neuguinea beobachtet. Ein Kranker sandte öfters einen Boten nach einem bestimmten Orte, wo die verdächtige Seele hausen sollte, um von dort ein Büschel Gras zu holen; dieses trug er in die Blätter einer besonderen Pflanze eingewickelt und mit einer bestimmten Schlingpflanze noch zusammengebunden zurück. Der Kranke wurde mit dem kleinen Bündel gestreichelt, damit die böse Macht, von der er besessen wäre, dorthin übergehe; darnach wurde das Büschel tüchtig geschlagen, um die Macht zu zermalmen, oder es wurde in den Rauch des Feuers gehängt, um sie zu ersticken. — Die Eingeborenen verwenden auch Heilmittel, die nach ihrem Glauben Zauber und Krankheit zu bannen vermögen. Manchen von ihnen mag zwar eine gewisse Heilkraft zukommen, aber zumeist beruht ihre Wirksamkeit doch auf dem Glauben an die Macht eines übernatürlichen Geistes; der ausübende Zauberer ist mit dem Geisterwesen vertraut, und der in Betracht kommende Geist bringt eben die Heilung zustande.

Aus: Brown, The Melanesians.

Abb. 153. Die Mittel eines Zauberers.

Der Inhalt der Netze besteht aus Körperteilen (Haaren, Zehennägeln und dergleichen) von einem Menschen, der verhext werden soll.

Die Geister und Seelen haben auch das Wetter in der Hand; und ebenso beherrschen es alle diejenigen, die mit diesen vertraut sind und ihre Vermittlung anrufen können. Daher gibt es auch Wettermacher, die Wind und Stille, Regen und Sonnenschein, Hungersnot und reichliche Ernte herbeiführen zum Vorteil derer, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen, oder zum Schaden der Feinde letzterer ([Abbild. 154] u. [155]). Die Geister und Seelen können auch Beschwörungsformeln, Steinen, Blättern und anderen leblosen Gegenständen Macht verleihen, damit sie aus sich heraus das Wetter beeinflussen. Die Methoden, die diese Wettermacher anwenden, sind ganz verschiedene. Auf einer der Salomonen zum Beispiel wurde folgendes Verfahren eingeschlagen, um Sonnenschein herbeizuführen. Bestimmte Blätter und Schlingpflanzenranken wurden von einem Insulaner an das Ende eines Bambusstockes gebunden und über ein Feuer gehalten. Der Mann fachte das Feuer an und sang dabei, um dem Feuer Mana einzuverleiben, das dieses wiederum auf die Blätter übertragen sollte. Dann kletterte er auf einen Baum und befestigte den Bambusstock an dessen äußerstem Zweig. Während der Wind das biegsame Rohr hin und her bewegte, verbreitete es Mana um sich, woraus alsdann die Sonne zum Vorschein kommen sollte. — Auf den Neuhebriden glauben die Eingeborenen, sich dadurch Sonnenschein verschaffen zu können, daß sie Zweige einer Pflanze, die mit Mana getrocknet wurden, über das Feuer halten, und dabei Zaubersprüche singen in der Hoffnung, daß dadurch geradeso, wie diese Zweige vertrockneten und in dem Feuer verbrannten, auch die Erde infolge der kommenden Sonnenhitze Trockenheit annehmen wird. Auf den Santa-Cruz-Inseln wird, um Wind herbeizuführen, der Zweig eines bestimmten Baumes ebenfalls unter Absingen von Zaubersprüchen in der Luft geschwenkt.

Phot. A. C. Haddon.

Abb. 154. Regenschirm aus Kokosnußblättern,

in dem der Zauberer den Regenzauber verbirgt. Sein oberer Teil wird schwarz gemacht, um die Wolke vorzustellen, an der Spitze werden junge Kokosnußblätter aufgehängt, um die fallenden Regentropfen anzudeuten.