Aus: v. d. Sande, Nova Guinea.

Abb. 178. Gräber auf Holländisch-Neuguinea.

Aus: v. d. Sande, Nova Guinea.

Abb. 179. Gräber auf Holländisch-Neuguinea.

Was den Bismarckarchipel anbetrifft, so sei zunächst die Schilderung der Vorgänge, die sich beim Tode eines großen Häuptlings auf der Gazellehalbinsel abspielten, hervorgehoben. Als sein Ende geahnt wurde, ertönte die große Trommel und rief die Verwandten zum Sterbelager. Die nächsten Angehörigen setzten sich dicht neben den Sterbenden, befühlten ihn von oben bis unten und murmelten ihm Trostworte zu; andere saßen umher und kauten Betel, währenddessen die Weiber draußen ein lautes Geschrei anstimmten. Die Trommel verkündete schließlich den Tod des Häuptlings. Darauf begann das Wehklagen der Männer und Frauen, sowie das Dröhnen der Trommel von neuem; dies währte die ganze Nacht hindurch. Inzwischen wurde eine niedere Plattform errichtet, auf der am frühen Morgen die Leiche in sitzender Stellung aufgebahrt und geschmückt wurde ([Abbild. 184]). In der Zwischenzeit wurden die Plantagen des Verstorbenen zerstört und all seine Schätze zusammengesucht, die man um ihn herum aufbaute. Jetzt traten maskierte Gestalten aus dem Walde hervor und führten eine Reihe Tänze um den Toten auf, die von Trommelschlag begleitet und durch Wehklagen unterbrochen wurden. Ein Verwandter des Häuptlings legte einheimisches Geld zu seinen Füßen, das unter die Tänzer verteilt wurde; diese zogen sich darauf zurück. Weiter brachte man ein Kanu herbei, legte den Toten hinein, gab ihm ein Ruder in die Hand, schmückte ihn von neuem, hüllte ihn in Matten und trug ihn endlich zu Grabe. Das Wehklagen wurde nun stärker, und die Verwandten ließen sich nur mit Mühe davon abhalten, nicht in das Grab zu springen. Doch schließlich wurde dieses zugeschaufelt. Und wieder ertönte Trommelschlag bis zum Morgen. Dadurch wollte man die Seele des Verstorbenen weit weg nach dem Osten begleiten, an den Ort, wohin sie vermutlich wandert und wohin die Reise vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang dauert. Als daher am nächsten Tage sich die Sonne zeigte, spähte man nach dem östlichen Himmel aus, um zu sehen, ob eine Wolke die dort untergehenden Sterne verhülle; war dies der Fall, dann erblickte man darin ein Anzeichen, daß der Geist seinen Einzug gehalten hatte. Ungefähr ein Jahr später wurde der Schädel des Häuptlings wieder ausgegraben, rot und weiß angemalt, mit einem Federbusch geschmückt und auf eine besondere Plattform gebracht.

Original i. Ethnogr. Museum, Dresden.

Abb. 180. Schädelkorwar aus Holländisch-Neuguinea.