Abb. 183. Scheiterhaufen zur Leichenverbrennung

auf den Salomonen.

In Nord-Neumecklenburg und auf Neuhannover wird der Körper eines Toten auf Speeren aufgebahrt, von den Angehörigen von Haus zu Haus getragen und am nächsten Tage auf eine Plattform vor seinem Hause gelegt, unter der man einen Holzstoß errichtet. Je angesehener die Stellung war, die der Verstorbene bekleidete, um so höher fällt die Plattform aus. Nachdem sodann der Holzstoß in Brand gesteckt ist, besteigt ein männlicher Verwandter die Plattform und berührt den Kopf des Toten von Zeit zu Zeit unter Gesang mit einem Speer, so lange, bis die Flammen ihn zum Herabsteigen zwingen. Endlich fängt auch die Plattform Feuer, bricht zusammen, und mit ihr fällt der Leichnam in die Glut. Er wird sodann herausgenommen, ein Stück von ihm losgelöst und unter die Jünglinge des Dorfes verteilt, der übrige Körper aber noch einmal ins Feuer gelegt und zu Asche verbrannt. Alle diese Vorgänge begleiten lautes Wehklagen und Geschrei. Schließlich folgt ein Gelage. Über der Asche des Feuers und des Toten wird ein Dach errichtet. Nach einigen Wochen vermischt man die Aschenreste mit Kokosnußmilch; mit diesem Brei schmieren sich die Leidtragenden den ganzen Körper ein. Die Trauer hält eine bestimmte Zeit lang an und findet ihren Abschluß in einem Schmaus. — Auf Neumecklenburg treffen wir auch noch andere Bestattungsgebräuche an. In manchen Teilen der Insel wird der Tote in einer Hütte eingebaut, oder in einem Kanu aufgestellt, auch mit Ocker eingerieben, oder die Daumen werden ihm zusammengebunden, so daß seine Hände wie zum Gebet erhoben erscheinen, und der ganze Körper wird verbrannt. Anderwärts fertigt man eine Figur des Verstorbenen in Lebensgröße an, bringt sie morgens auf eine Plattform und verbrennt sie abends. In den Rosselbergen legt man den Toten, in sitzender Stellung ganz und gar mit gepulvertem Kalk bestrichen und in Blätter eingehüllt, auf einem Querbalken unter das Dach seines Hauses, wo er jahrelang aufbewahrt bleibt.

Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.

Abb. 184. Feierlichkeit zu Ehren des auf dem Totenstuhl ruhenden Verstorbenen von hohem Rang bei einer Duk-Duk-Gesellschaft.


GRÖSSERES BILD

Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.

Abb. 185. Aufbahren einer Leiche auf der Gazellehalbinsel.