Abb. 330. Läuterungszeremonie auf dem Wege von Teheran nach Ispahan bei der heiligen Stadt Kum.

Pilger, die das Grab der Fatme, der Tochter Alis, besuchen wollen, müssen unter einer über die Straße gespannten Schnur hinweggehen oder -fahren, an der ein Koran hängt.


GRÖSSERES BILD

Phot. Henri D’Allemagne.

Abb. 331. Zwei Widder, die zum Kampfe aufeinander losgelassen werden,

eine zu Neujahr in Persien beliebte Volksbelustigung.

Die Braut, die am Tage vorher ein Bad genommen hat, wird vor dem Spiegel mit den Leuchtern geputzt, dabei wird ihr die Leinwand um den Kopf geschlungen und durch die weiße Hülle ein Faden in sieben Farben gezogen. Ferner wird ihr der Mund voll Süßigkeiten gestopft und Zucker über den Kopf gestreut. In das Feuer schüttet man wohlriechende Drogen. Während dieser Vorbereitungen läßt ein Rechtsgelehrter, der bei den Männern sitzt, den Bräutigam rufen und sich von ihm in aller Form die Zusage machen, daß er für ihn als Vermittler tätig sein darf; darauf verliest er den Entwurf des Ehevertrages. Ein entsprechender Vermittler von seiten der Braut begibt sich zu dieser und fragt sie dreimal vor dem Vorhang zu den Frauengemächern, ob sie den Bräutigam zu den genannten Vereinbarungen nehmen wolle. Ihre bejahende Antwort läßt er sich noch von einer der anwesenden Frauen bestätigen. Nun verhandeln beide Agenten noch einmal gemeinsam; der des Bräutigams bittet dreimal den der Braut um deren Hand für seinen Klienten unter den Bedingungen, die im Ehevertrag festgelegt wurden. Der letztere bejaht die Frage dreimal, worauf das Ehebündnis für vollzogen erklärt wird und man Süßigkeiten zu sich nimmt. Die Zeremonie findet vorläufig ihren Abschluß damit, daß der Bräutigam nunmehr in die Frauengemächer geführt wird, wo er nach Überreichung eines Geschenkes, meist eines Ringes, den Vorzug genießt, seine ihm soeben angetraute Frau im Spiegel zu sehen. Weiter erfolgt nichts. Bis die Braut ihrem zukünftigen Heim zugeführt wird, vergeht noch einige Zeit, die zur Beschaffung der Einrichtung benutzt wird. An einem Nachmittag, den wiederum der Astrologe festgesetzt hat, werden die Hochzeitsgeschenke (Zeug, Möbel, Kochgeräte und so weiter) auf reich geschmückten Maultieren nach dem Hause des Bräutigams geschafft. Nach Einbruch der Dunkelheit begeben sich die männlichen Verwandten und Freunde des Bräutigams, denen in einiger Entfernung die weiblichen sich anschließen, zum Hause der Braut unter Begleitung von Musikanten, die Lampen und Fackeln tragen. Nach ihrer Ankunft wird dem Vater der Braut der abgeschlossene Ehevertrag überreicht. Inzwischen sind der Braut die Körperhaare sorgfältig entfernt worden, besonders auf dem Rücken, da hierüber der Aberglaube besteht, daß dort ein Haar des Todesengels wachse; außerdem wird sie jetzt in ihr Brautgewand gekleidet.

Phot. H. R. Sykes.