Phot. George Newnes Ltd.
Abb. 363. Kämpfende Kamele.
Die Tiere werden, sorgfältig mit einem Maulkorb versehen, von ihren Eigentümern mit Trommeln und Pfeifen angefeuert. Die Ausrüstung der Kamele bildet einen Teil des Einsatzes.
Die Kleidung der Osmanen besteht in weiten Pluderhosen, baumwollenem oder seidenem Hemd, kurzer wattierter Jacke, über der sie einen langen Rock tragen, weichen Lederpantoffeln und einem Fez oder Turban. Die Frauentracht ([Abb. 359] und [361]) ist der der Männer im allgemeinen gleich, nur trägt das weibliche Geschlecht als Kopfbedeckung eine kleine Kappe oder ein Schleiertuch und außerdem auf der Straße einen langen, dunkelfarbigen Mantel mit breitem Kragen, der über den Kopf geschlagen wird, sowie einen Gesichtsschleier. — Die Tracht der Armenier ist keine einheitliche, sie schließt sich vielmehr der des jeweiligen Volkes an, unter dem sie leben. Eher kann man von einer typischen Gewandung der Armenierinnen sprechen, die in hellfarbigen, über den Knöcheln zusammengebundenen Pluderhosen, einem Hemd, das in der Taille mit einem seidenen oder goldenen Band zusammengehalten wird, und einer gestickten Weste einhergehen. Die Kleidung der Kurden setzt sich aus roter Tuchhose, weitärmliger, mit Goldborten und Schnüren verzierter Jacke, roten Lederstiefeln und großem Turban zusammen.
Die Beschäftigung der Stämme auf dem Lande besteht hauptsächlich in Ackerbau und Viehzucht. Ein nomadisierendes Leben führen die Beduinen Palästinas ([Abb. 360]), die mit ihren zahlreichen Herden dessen Wüsten durchziehen ([Abb. 357], [362] und [363]) und teilweise auch von Raub leben, wie wir dies bereits von den Kurden hörten.
Phot. G. Robinson Lees.
Abb. 364. Der heilige Felsen (Sakhrah) in der Omarmoschee zu Jerusalem,
um den die Moslim dreimal herumgehen müssen, damit ihre Gebete erhört werden.
Für alle Bewohner Kleinasiens, ganz gleich ob sie Mohammedaner, Christen oder Juden sind, bildet die Stadt Jerusalem den Mittelpunkt ihrer Anbetung; ihr einheimischer Name „El Kuds“, das heißt „die Heilige“, ist bezeichnend für die hohe Einschätzung dieser Stadt unter den Anhängern aller Glaubensbekenntnisse. Sie zieht zahlreiche Scharen von Pilgern herbei, die ihre Empfindungen den verschiedenen religiösen Bräuchen und Riten gegenüber gemeinsam und geflissentlich zum Ausdruck bringen. Der Sakhrah, der große Felsen unter dem Dom, den Europäern unter der Bezeichnung Moschee des Omar, den Bewohnern des Orients aber als der Dom des Felsens bekannt ([Abb. 364]), ist der Anziehungspunkt für die Bekenner des Islams. Allen Gläubigen liegt die heilige Pflicht ob, ihn zu besuchen und dreimal um ihn herumzugehen; sie haben dann die Gewißheit, daß ihre Gebete erhört werden. Der mohammedanischen Legende zufolge ist diese Stelle der erste Teil der Erde, der von Gott erschaffen wurde. Man sagt, daß der große Prophet hier mit allen seinen Vorgängern zusammengetroffen und von dort aus in den Himmel eingegangen sei. Der Felsen sei ihm gefolgt, aber auf seiner Reise durch den Engel Gabriel achtzehn Meilen von der Erde aufgehalten worden; daher schwebe er jetzt mitten in der Luft. — Das größte Fest für die Mohammedaner ist die Neby-Musa-Prozession ([Abb. 365]), die ganze Scharen von Menschen aus allen Gegenden des Landes zu dem angeblichen Grabe des Moses bei dem Orte gleichen Namens im Jordantale herbeizieht. Die Scheiche ([Abb. 366]) von Haram, der Pascha und alle Mohammedaner von Bedeutung, auch die Banner, die in Mekka gewesen sind, gehen im Zuge vom Dome des Felsens nach Neby-Musa; ihnen folgt Musik und eine ungeheure Menschenmenge. Es herrscht dabei eine ungemeine Begeisterung.