Phot. A. J. R. Tremcarne.
Abb. 516. Geisterkultus bei den Negern Nordafrikas.
Das Bild zeigt ein von einem Buschgeist oder Dschinn (Joguwa) besessenes Weib.
Die Kleidung der nordafrikanischen Eingeborenen ist im allgemeinen die in den islamitischen Ländern übliche. Bei den einfacheren Stämmen des Sahararandes beschränkt sie sich auf ein umgebundenes Fell; wer sich aber mehr leisten kann, legt sich eine Tobe, ein weites, bis an die Knie reichendes Hemd, zu. Darüber wird meistens noch ein Umschlagetuch aus Baumwolle, zur kälteren Jahreszeit oder auf Reisen aus Wolle, der sogenannte Burnus, von den Männern getragen. Als Kopfbedeckung kommen der Fes oder bei reicheren Leuten der Turban und als Fußbekleidung gelbe Lederpantoffel hinzu. Die jüngeren Männer nehmen heutzutage mehr und mehr europäische Kleidung an. Das Haar wird meistens kurzgeschnitten getragen, die Riffberber lassen sich den Kopf scheren und nur auf der rechten Seite des Hinterkopfes ein Büschel stehen, das sie in kleine Zöpfchen flechten. Frauen und Mädchen ([Abb. 511]) pflegen weite Beinkleider aus farbigem Stoff, ein weißes Musselinhemd und eine farbige, meistens mit Gold, Silber und Seide kunstvoll bestickte Jacke anzulegen und über den Hüften einen silbernen Gürtel zu tragen. Auf dem Kopfe haben sie eine bestickte Mütze, an den Füßen Sandalen aus feinem Marokkinleder. Bei den ärmeren Stämmen beschränkt sich die Gewandung auf zwei Stücke groben, für gewöhnlich blaugefärbten Stoffes. Stets aber wird großes Gewicht auf recht viele Ketten aus Silber und Münzen im Haar und um den Hals, sowie auf nicht minder zahlreiche Ringe und Spangen um Hand- und Fußgelenke gelegt; reichere Frauen vervollständigen ihren Schmuck durch Perlen, Diamanten und andere Edelsteine (siehe die [Kunstbeilage] und [Abb. 512]). Ein altes Überbleibsel aus der Vorzeit sind die Fibeln oder Gewandnadeln (ganz noch in der ursprünglichen einfachen Form gehalten) zum Zusammenstecken der Kleidungstücke ([Abb. 513]). Natürlich geht die Mohammedanerin auch hier außerhalb ihres Hauses stets verschleiert; ärmere Weiber begnügen sich damit, durch Vorziehen ihres Gewandes das Gesicht zu verhüllen. Bei Ausgängen hüllen sich die Frauen in ein großes wollenes Tuch, den Haik, das über den Kopf geht und bis auf die Augen herabreicht, von der linken Hand über der Brust zusammengehalten und mit der rechten bis über die Nase hochgehoben wird. In solcher Umhüllung gleichen sie lebendig gewordenen Wäschebündeln von manchmal nicht ganz einwandfreier Beschaffenheit. Die Kabylenfrauen ([Abb. 510] und [515]) halten sich hinsichtlich der Verschleierung nicht so streng an die Vorschrift des Islams.
Phot. Lehnert & Landrock.
Marokkanische Schönheit.
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GRÖSSERES BILD
Phot. Lehnert & Landrock.