unter flachen Steinen. Die Tson verwenden dazu kleine Häuschen, die mit Fächern versehen sind.

Die Wilden Formosas sind reine Animisten; sie glauben an Geister, auch an Zauberbann und Zaubermittel. Eine Krankheit legen sie fast allgemein dem Zorne böser Geister zur Last; fast jedes Dorf hat eine alte Frau aufzuweisen, die sich damit abgibt, sie zu vertreiben. Zu diesem Zwecke hockt sie vor dem Kranken auf der Erde nieder und nimmt ein Bambusrohr zwischen die Knie, so daß es vorn etwas in die Höhe steht. Auf dem Ende dieses Rohres balanciert sie ein geweihtes Zaubermittel, einen durchlöcherten Stein, und bewegt die Hand darüber, indem sie gleichzeitig die Geister bittet, den Zauber fortzunehmen. Bleibt der Stein für einige Augenblicke liegen, dann erblickt man darin ein Anzeichen für eine günstige Wendung, fällt er aber sofort herunter, dann sind die Bemühungen aussichtslos. Die Ami schreiben Schmerzen einem schädlichen Stoffe im Fleische zu; ein Zauberer saugt daher kräftig an der schmerzhaften Stelle und holt dann plötzlich einen oder mehrere Gegenstände aus seinem Munde hervor, die er angeblich dem Kranken entnahm.

Phot. J. W. Davidson.

Abb. 71. Kopfjäger von Formosa.

Zum Zeichen seiner Tätigkeit trägt er eine Tatauierung auf seiner Brust, die er hier aber durch ein Kleidungsstück verdeckt hat, damit die Japaner, die Herren der Insel, ihm nicht ansehen können, wie viele Menschen er schon getötet hat.

Nach dem Einbringen der Ernte sowie bei der Aussaat pflegt man bei den meisten Stämmen an einem bestimmten Tage, an dem Vollmond sein muß, die Ahnen anzubeten, teils um ihnen für die reichliche Ernte zu danken, teils auch um ihre weitere Gunst für die kommende Saat zu erbitten. Eine jede Familie bringt Kuchen von dem eingeernteten Getreide (Hirse und Reis) in der Dunkelheit der Nacht in den Dschungel, wickelt sie in Blätter ein und hängt sie an Bäumen auf, damit die Geister der Vorfahren von ihnen genießen. Am nächsten Tage kommen die Dorfbewohner alle zusammen und lassen Frohsinn und Freude walten; die Frauen führen dem Hula-Hula (I. Band Seite 24) ähnliche Tänze auf. — Die Stämme der Tsougruppe weisen den Geistern ihrer Ahnen als Wohnsitze die Bäume an; am Eingange eines jeden Dorfes findet sich ein besonders wegen seiner Größe auffallender Baum, der sich besonderer Ehrung erfreut und nach Einbringen der Ernte aus Dankbarkeit gegen die Ahnen mit Wein besprengt wird. Eine besondere Orchideenart wird am Fuß des Baumes sowie bei den noch zu besprechenden Junggesellenhäusern als heilige Pflanze gezogen und darf nicht beschädigt oder gar abgeschnitten werden. Die Stämme der Paiwan glauben, daß die Geister ihrer Ahnen in den Schwertern sind, die ihre Eltern ihnen hinterlassen haben. Alle fünf Jahre führen sie an einem bestimmten heiligen Tage ein Wettspiel auf; sie versuchen ein auf der Spitze einer Bambuslanze sitzendes Bündel Borke aufzufangen, das die Form eines Menschenkopfes hat; wem es gelingt, dieses aufzuspießen, wird als Sieger gefeiert. Ursprünglich wurde dazu ein wirklicher Menschenkopf verwandt und am Schluß des Spieles den Geistern ein Opfer dargebracht. Die Puyuma fangen an dem Jahrestage des Festes einen Affen, binden ihn an einen Baum vor dem Schlafsaal der Knaben und töten ihn mit Pfeilen, worauf der Häuptling mit Wein dreimal das Tier und die Erde besprengt. Der Affe ist auch hier an Stelle eines Menschen getreten, der ursprünglich geopfert wurde.

Bei vielen Stämmen gibt es ein besonderes Haus, in dem die unverheirateten Jünglinge wohnen, bis sie die Berechtigung erlangen, zu heiraten. Es ist mit Absicht so gebaut, daß es seinen Bewohnern wenig Behaglichkeit bietet, unter anderem den kalten und regnerischen Winden Eintritt gewährt, damit die jungen Leute abgehärtet und an das rauhe Kriegerleben gewöhnt werden. Sie dürfen auch nicht ein Haus, in dem Frauen leben, betreten, noch irgend einen Gegenstand besitzen, der einer Frau gehörte oder für eine Frau gedacht war. Für die Heirat besteht die Voraussetzung, daß der Jüngling ([Abb. 72]) in aller Form vom Stamme als Erwachsener anerkannt worden ist, was erst geschehen kann, wenn er von der großen Versammlung der Tapferen aufgenommen wurde, nachdem er einen Fremden getötet und dessen Kopf mitgebracht hat.

Phot. J. W. Davidson.